Nach der Pleite von Imtech : „Der BER-Bau wird nicht bis März 2016 fertig“

Flughafenchef Karsten Mühlenfeld berichtet im Tagesspiegel-Interview über die Folgen der Imtech-Insolvenz. Erste Mitarbeiter haben die Baustelle verlassen. Eine Taskforce prüft, ob und wie der Eröffnungstermin 2017 gehalten werden kann.

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Den BER im Blick. Flughafenchef Karsten Mühlenfeld hat eine Taskforce eingesetzt, die jetzt herausfinden soll, was die Insolvenz von Imtech bedeutet.
Den BER im Blick. Flughafenchef Karsten Mühlenfeld hat eine Taskforce eingesetzt, die jetzt herausfinden soll, was die Insolvenz...Foto: Bernd Settnik / dpa

Herr Mühlenfeld, ist der BER-Eröffnungstermin nach der Imtech-Pleite zu halten?

So weit sind wir noch nicht. Klar ist: Diese Insolvenz hat Auswirkungen auf unsere Meilenstein-Planung, also auf die 220 Meilensteine, die vor der Inbetriebnahme des BER abgearbeitet werden müssen. Die bauliche Fertigstellung, die im März 2016 geplant war, wird sich verschieben. Ob und wie das möglicherweise Auswirkungen auf die Gesamteröffnung hat, können wir noch nicht sagen.

Aber Sie können eine erneute Verschiebung des BER-Starts nicht ausschließen?

Ich schließe nie etwas aus. Am Tag danach kann ich seriös sagen: Einige Meilensteine werden wir verschieben müssen, weil viele Dinge, die Imtech macht, in den nächsten Monaten fertig werden sollten. Und die werden jetzt nicht pünktlich fertig. Ob es den Gesamttermin gefährdet, hängt davon ab, wie groß die Bauverzögerungen sein werden. Das können wir noch nicht beurteilen.

Welchen Anteil hat Imtech an den 55 Prozent der Restarbeiten im Terminal, die noch erledigt werden müssen?

Imtech hat ein Baurestvolumen im niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Das ist bei dem, was auf der Baustelle noch zu tun ist, nicht wenig. Und das muss abgearbeitet werden.

Wie sieht Ihr Krisenmanagement aus?

Ich habe eine Taskforce eingesetzt, die sich mit den vertraglichen, wirtschaftlichen, technischen und bauablauforganisatorischen Implikationen des Insolvenzverfahrens beschäftigt. Sie werden verstehen, dass nicht innerhalb von 24 Stunden alle Daten und Fakten zusammengetragen werden können. Wir werden uns mit dem Insolvenzverwalter kurzschließen, der aber auch ein paar Tage brauchen wird, um sich ein Bild zu machen. Ein erster Zwischenbericht der Taskforce soll innerhalb von 14 Tagen vorliegen.

Sind auf der Baustelle schon konkrete Folgen spürbar?

Ja, Teile der Imtech-Belegschaft sind am Freitag nicht auf dem BER-Gelände erschienen. Das liegt auch daran, dass viele Mitarbeiter der Imtech keine direkten Mitarbeiter sind, sondern von nachgeordneten Subunternehmen. Die genaue Zahl kann ich noch nicht sagen. Das wird geprüft. Wir wissen aber, dass die ersten die Baustelle verlassen haben.

Ist die Firma Imtech zu ersetzen?

Jede Firma ist ersetzbar, auch Imtech.

Und wie?

Wir denken immer in Szenarien. Wir wissen, dass es in Deutschland Firmen gibt, die die gesamten Arbeiten der Imtech übernehmen könnten. Es gibt aber auch andere Möglichkeiten, etwa Subunternehmen anderswo anzudocken, oder Arbeiten auf andere Firmen umzulegen. Wir schauen, was die beste, was die zeit- und kosteneffizienteste Vorgehensweise ist.

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Sie haben wegen nicht gehaltener Meilensteine jüngst verstärktes Engagement von Baufirmen und Planungsbüros angemahnt. Befürchten Sie, dass sich jetzt andere hinter der Imtech-Pleite verstecken?

Nein, das nicht. Jeder hat ja sein eigenes Aufgabenfeld, da kann man sich nicht verstecken. Aber klar ist: Meilensteine bauen aufeinander auf. Wenn Imtech einen Meilenstein nicht pünktlich abliefert, kann das Auswirkungen auf Meilensteine anderer Firmen haben.

Der Vorsitzende des BER-Ausschusses Martin Delius wirft dem Flughafen vor, dass er sich nach dem Korruptionsskandal nicht von Imtech getrennt hat. Ein Fehler?

Natürlich wägen wir immer und immer wieder alle möglichen Alternativen gegeneinander ab. Das hat mein Vorgänger getan. Das tue ich auch.

Das klingt diplomatisch. Ein Rausschmiss wäre also teuer geworden und hätte die Eröffnung des BER gefährdet?

Das oberste Ziel ist stets, den Zeit- und Kostenplan zu halten. Ich habe ja verschiedene Optionen genannt. Die haben wir in der Vergangenheit immer und immer wieder betrachtet. Die wird die Taskforce nun im Lichte der Insolvenzanmeldung bewerten. Systematisch, strukturiert und zügig. Wir sind auf derartige Situationen vorbereitet. Panik ist da fehl am Platze.

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