Nach der Schließung : Flughafen Tegel: Bund will seinen Anteil verkaufen

Nach der Schließung des Flughafens Tegel wäre der Bund bereit, seinen Anteil an der Immobilie dem Land Berlin zu verkaufen. Die Reinickendorfer SPD schlägt für das Terminal ein Zentrum für Solar- und Windenergie vor.

Ulrich Zawatka-Gerlach

Das sind immerhin 300 Hektar des insgesamt 464 Hektar großen Geländes im Nordwesten Berlins. „Der Bund ist für jede wirtschaftlich vernünftige Verwertungsoption offen, einschließlich der Möglichkeit der Veräußerung an Berlin“, teilte das Bundesfinanzministerium auf Anfrage mit. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) hat nach Angaben des Ministeriums aber noch keine Verkaufsverhandlungen aufgenommen. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bestätigte dies. Zahlen wurden nicht genannt. „Ein Wertgutachten für das Areal wird voraussichtlich 2010 in Auftrag gegeben“, sagte die Behördensprecherin Manuela Damianakis. Der Flughafen Tegel muss spätestens ein halbes Jahr nach Eröffnung des neuen Großflughafens in Schönefeld (BBI) geschlossen werden. Also voraussichtlich 2012.

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Dann fallen die Einnahmen weg, die der Bund aus Erbbaurechts- und anderen Nutzungsverträgen mit der Berliner Flughafengesellschaft erzielt – und die öffentlichen Eigentümer bleiben auf den Kosten sitzen, bis sich für das riesige Areal neue Nutzer finden. Das Gelände ist noch deutlich größer als der ehemalige Flughafen Tempelhof. Parallel zu den Planungen der Stadtentwicklungsverwaltung erarbeitet eine Kommission der SPD Reinickendorf ein Konzept. Klar ist schon jetzt, dass das Sechseck des Terminals, entworfen vom Architekten Meinhard von Gerkan, erhalten bleibt.

„Wir unterstützen auch die Idee Gerkans, dort Unternehmen anzusiedeln, die Solar-, Wind- und andere Umwelttechnologien vermarkten“, sagte der SPD-Wirtschaftsexperte Jörg Stroedter dem Tagesspiegel. Eine Konkurrenz zum Standort Adlershof sieht er nicht. Außerdem soll nach den Plänen der Sozialdemokraten ein Dienstleistungszentrum aus kleinen Gewerbebetrieben entstehen. Auf diese Weise soll die Umverteilung von tausenden Arbeitsplätzen aus Reinickendorf nach Schönefeld wenigstens teilweise kompensiert werden. Die Verkehrsanbindung müsse deutlich verbessert werden, so Stroedter. Eine Anbindung ans U-Bahnnetz komme aus finanziellen Gründen vorerst nicht in Frage. Die einfachste Möglichkeit wäre, das Gelände von der Scharnweberstraße aus mit einer Buslinie in Richtung Saatwinkler Damm zu erschließen.

Den Kleingartenbesitzern am südwestlichen Rand des Flughafens Tegel, von denen viele dauerhaft dort wohnen, will die SPD Bestandsschutz gewähren. Für den Nordostteil des Areals schlägt die Fachkommission vor, neue, familiengerechte Wohnungen zu bauen. „Denn für bestimmte Bevölkerungsschichten steuert Berlin auf die nächste Wohnungsknappheit zu“, sagte Stroedter voraus. Das geringste Problem für die Nachnutzung stellt wohl der nördlich gelegene Wald einschließlich des Flughafensees dar. Dort soll aufgeforstet und zusätzliche Grünflächen angelegt werden.

Bis zum Sommer will die Reinickendorfer SPD an ihrem Konzept feilen. Konkrete Vorschläge der Stadtentwicklungsbehörde gibt es bisher nicht. Nach einer ersten Standortkonferenz im Oktober 2008 verwies Senatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) lediglich auf „grobe Vorschläge“ aus einen Planwerk ihrer Verwaltung aus dem Jahr 2000. Dieser Plan müsse nun „auf Grundlage der heute erkennbaren Bedarfs- und Nachfragesituation für den Zeithorizont 2011 auf den Prüfstand“ gestellt werden. Dies solle im laufenden Jahr im Rahmen eines „Werkstattverfahrens“ erfolgen.

Schon im April 2007 hatten SPD, Linke und Grüne den Senat in einem gemeinsamen Beschluss aufgefordert, die Nachnutzung Tegels „zügig zu konkretisieren“. Die CDU-Fraktion zieht jetzt mit einem eigenen Parlamentsantrag nach. Der Schwerpunkt müsse auf eine gewerblich-wirtschaftliche Nachnutzung gelegt werden, fordert die Union. Auf der Suche nach einem Konzept müssten die angrenzenden Bezirke, Wirtschaftsverbände und -kammern intensiv einbezogen werden.

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