Nach der Steueraffäre : Wer folgt auf André Schmitz?

Etwas Gutes hat die Steueraffäre um André Schmitz, findet Rüdiger Schaper, Ressortleiter Kultur. Wer hätte gedacht, dass der Rücktritt eines Kulturpolitikers solche Aufmerksamkeit erregt? Einen geeigneten Nachfolger hat Schaper auch schon im Blick.

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André Schmitz zog am Dienstag die Konsequenzen aus seiner Steueraffäre und trat zurück.
André Schmitz zog am Dienstag die Konsequenzen aus seiner Steueraffäre und trat zurück.Foto: imago

Wie blöd, dass die Berlinale nicht schon letzte Woche ausgebrochen ist. Dann wäre der Fall André Schmitz ein weniger dickes Ding geworden. Denn das ist das Gesetz der Berlinale: Alles ruht, alles schweigt, wenn die Filmlawine über die Hauptstadt rollt. Alles wird unter den roten Teppich gekehrt, für ein paar tolle Tage. Die Filmfestspiele sind die Berliner Version des rheinischen Karnevals.

Klüngel haben und hatten wir hier auch. Garski-Affäre (da ging es um eine Senatsbürgschaft für dubiose Bauprojekte in Saudi-Arabien, über 100 Millionen DM), Skandal um die Bankgesellschaft: Das waren filmreife Stoffe. Dramatische Auftritte im Abgeordnetenhaus, Regierende Bürgermeister stürzten – und heute? Tritt ein allseits geschätzter Kulturstaatssekretär wegen Steuerhinterziehung einer 400.000-Euro-Erbschaft ab. Er hat das Pech, dass Steuerflucht seit einiger Zeit ein ganz großes Thema ist, zumal in der SPD. Es schmeckt nach Götterdämmerung. Allerdings wurde die bei Wotan Wowereit schon häufiger intoniert. Und dann ging es irgendwie doch munter weiter.

Ungewohnte Aufmerksamkeit für die Kulturpolitik

Etwas Gutes hat die Schmitz-Geschichte. Wer hätte gedacht, dass der Rücktritt eines Kulturpolitikers solche Aufmerksamkeit generiert? Früher wollte das keiner werden: Kultursenator. Erst in den Achtzigern mit Volker Hassemer änderte sich das vorübergehend. Und dann? Ulrich Roloff-Momin, für die SPD im Senat, hing ewig die Schließung des Schillertheaters am Hals, dabei hat er gute Dinge bewegt.

Man sieht sie alle über den geistigen roten Berlinale-Teppich wandeln, die Vorgänger von André Schmitz. Peter Radunski (CDU), der sich fürchterlich aufregte, wenn man ihn einen Parteisoldaten nannte, der mit einem Kulturposten belohnt wurde. Anke Martiny (SPD): zu kurz im Amt, um Bleibendes zu schaffen. Christa Thoben (CDU): noch kürzer, drei Monate. Christoph Stölzl (CDU): eloquent, fantasievoll, gute Statur, auch nicht von Dauer. Adrienne Goehler, für die Grünen ein gutes halbes Jahr Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Kultur: jetzt nichts über Ohrringe, bitte!

Knut Nevermann ist derzeit Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung.
Knut Nevermann ist derzeit Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung.Foto: imago

Haben wir jemand vergessen? Kommt da jetzt der oder die Neue? Fotografen aufgepasst! Das ist Knut Nevermann, der zum Eröffnungsfilm über den Läufer schreitet. Ein erfahrener, hochgebildeter, besonnener Kulturmensch; war bei Michael Naumann im Kanzleramt, kennt Landes- und Bundespolitik bestens. Derzeit Staatssekretär bei der Bildung in Berlin. Wäre nach Schmitz eine gute Wahl. Würde passen.

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