• Nach der Steuerentscheidung: Ein echter Diepgen - Wie sich der Regierende Bürgermeister mal wieder selbst treu geblieben ist

Berlin : Nach der Steuerentscheidung: Ein echter Diepgen - Wie sich der Regierende Bürgermeister mal wieder selbst treu geblieben ist

bib/lom

Es ist noch nicht allzu lange her, da wurde Eberhard Diepgen als möglicher CDU-Vorsitzender ins Spiel gebracht. Nicht wirklich ernsthaft. Aber immerhin. Das lag zum einen daran, dass er damals, auf dem Höhepunkt der CDU-Parteispendenaffäre, als der erfolgreichste Politiker seiner Partei galt. Zum anderen war es eine Zeit der Verwirrung.

Heute ist Diepgen in seiner Partei ganz unten angekommen. Er gilt als Verräter. Hat er das verdient?

Diepgen hat niemanden verraten. Er ist sich ganz einfach treu geblieben. Er ist eben mehr Berufsberliner als Berufsparteipolitiker. Aus Sicht der CDU mag das empörend sein. Aus Berliner Sicht ist das in Ordnung. Er hat für die Stadt ja etwas herausgeholt. Hätte er darauf seiner Partei zuliebe verzichten sollen? Das wäre nicht nur schlecht für die Stadt gewesen. Das wäre auch schlecht für ihn selbst gewesen. Die Berliner SPD hätte den Leuten liebend gerne vorgerechnet, auf wieviel Geld der Regierende Bürgermeister da verzichtet.

Es war Diepgen anzumerken, wie unwohl er sich in dieser Situation fühlte. So überließ er es dem SPD-Bürgermeister Klaus Böger, am Freitag in Bonn Ja zur Steuerreform zu sagen. Er selbst saß schweigend daneben. Stunden zuvor hatte er ebenfalls geschwiegen - beim Frühstück mit den Kollegen von der CDU, kurz vor der Sitzung des Bundesrats. Während des Frühstücks war er aufgestanden, rausgegangen, wiedergekommen. Später stellte sich heraus: Da hatte er mit dem Kanzler telefoniert. Das waren die entscheidenden Minuten. Nur seine Parteifreunde bekamen davon nichts mit.

So entstand die Wut auf Diepgen. Die anderen meinten, Diepgen habe sie vor die Wand rennen lassen - aus Kalkül. Vielleicht hat er sich aber auch nur nicht getraut, den kampfeslustigen Kollegen die Wahrheit zu sagen. Vielleicht hat er deswegen auch nicht selbst Ja gesagt. Vielleicht hat er sich auch ein bisschen geschämt, von Schröder in eine goldene Falle gelockt worden zu sein. Aber jetzt tobt Stoiber, und die Meute hinter ihm grollt. Am kommenden Montag tritt das CDU-Präsidium zusammen. Alle wollen kommen. Das wird kein schöner Tag für Eberhard Diepgen.

Aber sie können ihm ja nichts antun. Diepgen ist nicht in die Führung gewählt worden, also kann er daraus auch nicht abgewählt werden. Er ist Mitglied der Parteiführung Kraft seines Amtes als Regierender Bürgermeister. Er hat noch vier Jahre Regieren vor sich und eine Mehrheit in der Stadt sowie im eigenen Landesverband hinter sich. In der Bundes-CDU war er immer ein Außenseiter. Das wird er bleiben. Nicht mehr, nicht weniger.

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