• Nach der Warnung vor verstrahlten Pfifferlingen geben die Behörden nun Entwarnung: "Es wird gut kontrolliert"

Berlin : Nach der Warnung vor verstrahlten Pfifferlingen geben die Behörden nun Entwarnung: "Es wird gut kontrolliert"

C. v. L.

Verstrahlte Pfifferlinge an der deutsch-polnischen Grenze entdeckt: Die Nachricht, dass am Wochenende eine Lastwagenladung mit 1,3 Tonnen hochgradig verseuchter Pilze aus der Ukraine sichergestellt worden ist, hat zahlreiche Berliner verunsichert und an das Reaktorunglück von Tschernobyl von 1986 erinnert - und an die damals ständigen Warnungen vor möglicherweise stark verstrahlten Lebensmitteln.

Die Reaktionen der Behörden waren am Dienstag gelassen. "Kein Anlass zur Besorgnis, es wird gut kontrolliert", beruhigte Brigitte Jäger vom gesundheitlichen Verbraucherschutz der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales nach Rücksprache mit der Strahlenmessstelle. Die Pilze aus dem regulären Handel und die wildwachsenden in den Wäldern Berlins und der Umgebung gelten als unbedenklich. Referatsleiter Lutz Desselberger von der Lebensmittelüberwachung des Landes Brandenburg wies darauf hin, dass Pilzlieferungen aus Osteuropa seit einem Jahr systematisch kontrolliert werden. Im vorigen Jahr seien 3000 Sendungen überprüft und nur ein Prozent davon beanstandet und zurückgeschickt worden. In diesem Jahr rechne man, dass 4000 Sendungen abgefertigt werden, bei gleichem Anteil von Beanstandungen.

Aus Polen über Frankfurt (Oder) kommen beispielsweise auch die Pfifferlinge für Reichelt. Rainer Krämer, Ressortleiter für Qualitätssicherung, bestätigte gestern, dass jede Pilz-Lieferung mit einem Protokoll versehen ist, auf dem die zuständige Veterinär- und Lebensmittelaufsicht vermerkt, dass der zulässige Grenzwert unterschritten ist. Er nehme aber, so Krämer, den aktuellen Vorgang zum Anlass, das vor mehr als zehn Jahren angeschaffte Strahlenmessgerät zu aktivieren und bei der Warenannahme "zur Sicherheit wieder einzusetzen". Im Handel über den Berliner Fruchthof sind derzeit auch viele Pfifferlinge aus Österreich.

Achtzig Prozent aller Pilz-Lieferungen aus Polen kommen über Frankurt (Oder). Das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Brandenburg teilte mit, der aktuelle Vorfall sei ein Grund, wieder zur Vorsicht zu mahnen. Sprecher Jens-Uwe Schade gab zu Bedenken, dass zahlreiche Berliner in diesen Tagen ihr Pilzgericht preisgünstig auf polnischen Märkten einkaufen, "auf eigenes Risiko".

Was Pilze in Berlin betrifft, habe man in diesem Jahr "noch keine bösen Mitteilungen erhalten", sagte Brigitte Jäger. Man vertraue auf die Lastwagen-Kontrollen an den Landesgrenzen, außerdem würden Lieferungen auch im Fruchthof überprüft. Bei einer Kontrolle an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern ging der Lastwagen mit ukrainischen Pfifferlingen ins Netz: Die Pilze hatten den zulässigen Grenzwert von 600 Becquerel um mehr als das Doppelte überschritten. Dabei handelt es sich um den Gehalt von Cäsium 137, das die Pilze aus dem verstrahlten Boden ziehen. Nach 30 Jahren wird der Boden noch zur Hälfte, nach 60 Jahren zu einem Viertel und nach 300 Jahren noch zu einem Promille mit Cäsium als Folge des Reaktorunglücks belastet sein.

Auf Lebensmittel allein konzentriert sich die Überwachung an den Grenzen nicht, sondern zunehmend auf radioaktiv verstrahlten Schrott: Ein Lastwagen mit Pilzen aus Osteuropa musste vor einiger Zeit gestoppt werden. Es lag nicht an der Ladung. Aber der Staub, der von einem früheren Metalltransport übrig geblieben war, hatte die Sicherheitsschranken fallen lassen.

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