Nach Einbruch in Berliner Bodemuseum : Wie sicher sind Berlins Kulturschätze?

Nofretete, Goldhut, Blaue Mauritius: In Berlin gibt es unzählige wertvolle Kunstwerke. Kultursenator Lederer fordert nach dem Diebstahl der Goldmünze ein neues Sicherheitskonzept von den Museen.

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Alt und wertvoll: Etwa 3000 Jahre hat der Berliner Goldhut bereits auf dem Buckel.
Alt und wertvoll: Etwa 3000 Jahre hat der Berliner Goldhut bereits auf dem Buckel.Foto: Thilo Rückeis

Nach dem spektakulären Diebstahl der 100-Kilo-Goldmünze aus dem Bodemuseum überprüfen viele Berliner Kunsthäuser ihre Sicherheitsstandards. „In Absprache mit dem Landeskriminalamt und der Polizei haben wir die Sicherheitsvorkehrungen in allen Häusern erhöht“, sagte Markus Farr von den Staatlichen Museen am Dienstag.

Zu dem Museen-Dachverband gehören das Bodemuseum, aber auch das Ägyptische Museum, wo die Büste der Nofretete steht, deren Wert auf rund 400 Millionen Euro geschätzt wird. Auch der Berliner Goldhut, eine etwa 3000 Jahre alte Kopfbedeckung aus Goldblech, ist im Besitz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die die Staatlichen Museen organisiert. Gerade für diese besonderen Exponate sei die Sicherheit besonders hoch, sagt Farr. Mehr Details wollte er nicht verraten. „Wir thematisieren das nie, sonst wären es ja keine Sicherheitsvorkehrungen.“

Ein bisschen mehr gibt dagegen Michael John preis. „Alle Museen in Deutschland haben ein integriertes Sicherheitskonzept“, sagt John. Er arbeitet bei der Staatlichen Kultursammlung in Dresden und gehört seit 20 Jahren der internationalen Arbeitsgruppe für Sicherheit in Museen innerhalb des internationalen Museumsverbandes an. „Die Museen arbeiten mit einem ausgewogenen Mix aus mechanischen, personellen und elektronischen Sicherheitsvorkehrungen“, berichtet John. Mit Letzterem meint er Bewegungsmelder, Videotechnik und spezielle Einzelobjektsicherungen wie Wärmesensoren oder Alarmanlagen. „Es gibt nicht das eine Konzept“, sagt John, entscheidend sei die Situation. Ob im Bodemuseum Fehler gemacht wurden, will er nicht bewerten. „Ich bin nur erstaunt, mit welchem detaillierten Wissen dort offenbar vorgegangen wurde.“

Für einen besseren Schutz plädiert auf jeden Fall Berlins neuer Kultursenator, Klaus Lederer (Linke). „Ich denke, die Museen sollten ihre Sicherheitskonzepte überdenken“, sagte Lederer am Rande einer Pressekonferenz am Dienstag. Als Kultursenator könne er dafür kaum etwas tun. „Berlin sitzt bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz nur am Katzentisch.“

Zu beschützen gibt es in Berlin aber nicht nur Gold und Edelsteine. Auch im Museum für Kommunikation liegen versteckte Kostbarkeiten – zumindest ideell. „Mit der Blauen Mauritius haben wir eine der legendärsten Briefmarken in unserer Sammlung“, sagt Sprecherin Monika Seidel. Zwölf der ursprünglich 500 Marken sind weltweit noch erhalten. Sie waren die ersten Briefmarken der damaligen britischen Kolonie Mauritius von 1847 und hatten ursprünglich einen Postwert von gerade einmal zwei Pence.

Wertsteigerung: Die Blaue Mauritius war mal zwei Pence wert, jetzt kann man sie für zwei Millionen Euro verkaufen.
Wertsteigerung: Die Blaue Mauritius war mal zwei Pence wert, jetzt kann man sie für zwei Millionen Euro verkaufen.Foto: promo

„Die Marke könnte man heute für zwei Millionen Euro verkaufen“, sagt Seidel. „Wesentlich wertvoller“ sei der sogenannte Baden-Fehldruck, den man ebenfalls in der Sammlung habe. Beide Marken sind für Besucher nur durch Panzerglas zu bewundern und obliegen besonderen Schutzmaßnahmen, so Seidel.

Etwas schwerer, aber dafür interessant zum Einschmelzen, könnte auch die „Schmetterling“-Skulptur von Henry Moore sein, die im Teich vor dem Haus der Kulturen der Welt steht. Eine Schubkarre würde hier zum Abtransport aber kaum reichen. Knapp zehn Tonnen wiegt das Bronzekunstwerk, das 1987 zur Wiedereröffnung des Hauses im Zuge der 750-Jahr-Feier Berlins aufgestellt wurde.

Ziemlich schwer: Fast zehn Tonnen wiegt die Schmetterling- Skulptur am Haus der Kulturen.
Ziemlich schwer: Fast zehn Tonnen wiegt die Schmetterling- Skulptur am Haus der Kulturen.Foto: Mike Wolff

„Unterschreiben würde ich es nicht, dass man nicht theoretisch mit einem Schwenkkran die Skulptur entfernen könnte“, sagt Sprecherin Anne Maier. Auch wenn es keinen Außenschutz gebe, sei das Kunstwerk „mehrfach gesichert“. Potentielle Diebe dürfte aber eher die mageren Gewinnaussichten abschrecken. Für zehn Tonnen Bronze bekommt man aktuell rund 75 000 Euro.

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