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Nach Einbruch in der Schule : Schulleiterin vermutet Sabotageversuch

Nach dem Diebstahl der Aufgabenblätter für die zentralen Prüfungen, äußert sich nun zum ersten Mal die Schulleiterin Julia Romano der bestohlenen Schule in Oranienburg. Nach mehreren Einbrüchen in diesem Jahr rüstete die Schule in Sicherheitsfragen bereits nach. Nun vermutet die Schulleiterin einen Sabotageversuch.

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Alte Aufgaben in den Müll, neue aus dem Drucker. Berliner Schulen müssen wegen dem Diebstahl Extra-Aufwand betreiben.
Alte Aufgaben in den Müll, neue aus dem Drucker. Berliner Schulen müssen wegen dem Diebstahl Extra-Aufwand betreiben.Foto: dpa

Großer Andrang und geschäftiges Sortieren: Ab 7 Uhr gaben sich am Dienstagmorgen Lehrer von Marzahn bis Wannsee  in der Bildungsverwaltung am Alexanderplatz die Klinke in die Hand, weil alle Gymnasien und Sekundarschulen ihre neuen Aufgabenbögen für den Mittleren Schulabschluss und für die erweiterte Berufsbildungsreife abholen mussten. Nach dem am Montag bemerkten Aufgabendiebstahl in einer Brandenburger Schule gab es keine andere Möglichkeit, um doch noch an diesem Dienstag die Mathematikprüfungen schreiben zu können.

„Es war gut organisiert“, berichtet ein Lehrer, der für seine Schule die Aufgabe übernommen hatte, die Unterlagen abzuholen, weil er auf dem Weg zur Arbeit sowieso am Alex vorbeikam. Sechs Mitarbeiter der Verwaltung seien mit dem Sortieren und Verteilen der Bögen beschäftigt gewesen und auch Bildungs-Staatssekretär Mark Rackles (SPD) kam vorbei, um sich zu vergewissern, dass alle glatt lief. Eine Lehrerin hatte sogar einen Rollkoffer dabei, um die schwere Last überhaupt transportieren zu können. Bei großen Schulen mit über 150 Zehntklässlern waren rund 750 Blätter Papier zu bewältigen.

„Jetzt hoffe ich, dass die Aufgabenstellungen wenigstens ohne Fehler sind“, sagte ein Neuköllner Lehrer, der schon um kurz nach 7 Uhr  bepackt auf dem Weg zu seiner Schule war.

In einer Schule war der Klau festgestellt worden

In Berlin und Brandenburg mussten ganz kurzfristig alle Aufgabenblätter für die Prüfungen zum Mittleren Schulabschluss (MSA) und zur erweiterten Berufsbildungsreife für rund 45 000 Zehntklässler neu gedruckt werden. Auslöser ist dem Vernehmen nach ein Diebstahl in einer brandenburgischen Schule, der am Montag festgestellt worden war. Das Brandenburgische Bildungsministerium informierte daraufhin die Berliner Verwaltung, da die Bundesländer identische Aufgaben nutzen. Allerdings nehmen in Brandenburg die Gymnasien nicht am MSA teil.

Anders als in Berlin werden im Flächenland Brandenburg die Aufgabenblätter – neun pro Schüler – bereits ein paar Tage vorher an die Oberschulen geliefert. So konnte der Diebstahl überhaupt passieren. Die Berliner Schulen bekommen die Unterlagen erst am Prüfungstag, also Dienstag früh. Diese Lieferung war nicht mehr zu stoppen. Somit erhalten die Berliner die „alten“ Aufgaben, ohne dass sie damit etwas anfangen können. Am Dienstag mussten die Schulen eine Vertrauensperson (mit Ausweis) in die Bildungsverwaltung am Alexanderplatz schicken, um die Ersatzaufgaben entgegenzunehmen. Die Prüfung mit diesen Ersatzaufgaben startete vormittags um 10 Uhr. Wer weniger als 50 Prüflinge hat, wird gebeten, die Aufgaben selbst vom Server herunterzuladen und auszudrucken. Betroffen vom Diebstahl ist auch die Englischprüfung, die am Donnerstag ansteht.

Nach Angaben des Brandenburgischen Bildungsministerium ist die Oranienburger Immanuel-Schule bestohlen worden. Sie ist eine kleine christliche Schule, die aus Grund- und Gesamtschule besteht und seit 2006 existiert. Seit diesem Jahr wurde auch eine gymnasiale Oberstufe bewilligt. Insgesamt besuchen - von der ersten bis zur elften Klasse – 87 Schüler die Einrichtung. Laut Sprecher Stephan Breiding gab es in der Schule mehrfach Einbrüche in den letzten Zeit. Es wurden auch andere Dinge gestohlen.

Angesichts des durch die frühe Auslieferung bedingten Sicherheitsrisikos erwägt nach Informationen des Tagesspiegels das Potsdamer Bildungsministerium, nun das Verfahren zu ändern. Die Schulen sind verpflichtet, derartige Prüfungsunterlagen so aufzubewahren, dass sie "vor jedem unbefugten Zugriff gesichert sind". Ob die brandenburgische Schule mit Schadensersatzforderungen rechnen muss, ist bislang offen.

Schlösser verstärkt und mehr Kontrollgänge

Schulleiterin Julia Romano sagte dem Tagesspiegel, in der Nacht von Samstag auf Sonntag sei in die Schule eingebrochen worden. Die Täter seien ins Gebäude gelangt, in dem sie eine Fensterscheibe zerstört hätten. In Gebäude hätten sie weitere Türen aufgebrochen und seien ins Schulbüro gelangt. Dort hätten Sie den abgeschlossenen Büroschrank, in dem sich die MSA-Prüfungsunterlagen befanden, aufgebrochen.

Weil es bereits mehrere Einbrüche in diesem Jahr gab, bei denen etwa Computer gestohlen wurden, habe man bereits die Schlösser verstärkt. Zudem hätten Mitarbeiter häufiger Kontrollgänge gemacht, die Schultiere müssten auch am Wochenende gefüttert werden. „Wir waren auch gerade dabei, Sicherheits- und Stahlschränke einzubauen. Wir haben nachgerüstet und sind noch immer dabei“, sagte die Schulleiterin.

Das war offenbar zu spät. „Für uns sieht das aus, wie gezielte Sabotage. In diesem Jahr sind wir oft genug von Einbrechern besucht worden, mehr als uns lieb ist.“ Insgesamt binnen weniger Monate, in den Jahren zuvor aber nicht. Man erwäge nun auch Stahltüren einzubauen, aber, sagt Romano, „wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“.

Wer hat die Prüfungen gestohlen?

Die Prüfungsunterlagen waren Anfang Mai in einem versiegelten Umschlag bei der Schule angekommen und lagen seither verschlossen in einem Schrank. Die Deutsch-Prüfungen in der vergangenen Woche war von dem Prüfungsklau nicht betroffen, für Mathematik am gestrigen Dienstag konnten ab sieben Uhr die Reserve-Prüfungssätze beim Bildungsministerium heruntergeladen werden. Ebenso läuft es dann am Donnerstag bei den Englisch-Prüfungen.

Ob möglicherweise Schüler die Prüfung gestohlen haben, darüber möchte Schulleiterin Romano „liebe keine Mutmaßungen anstellen“. Und selbst wenn: „Letztlich hätten sie sich keinen Gefallen getan, weil klar ist, dass dann ein Plan B greifen muss.“

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