• Nach Einsatz in Brandenburg: Berliner Polizei weist Kritik zurück Nicht jede Observation müsse im Nachbarland angemeldet werden

Berlin : Nach Einsatz in Brandenburg: Berliner Polizei weist Kritik zurück Nicht jede Observation müsse im Nachbarland angemeldet werden

Jörn Hasselmann

Berlin. Berliner Polizisten halten die Kritik der Brandenburger Behörden an unangemeldeten Ermittlungen im Nachbarland für überzogen. Wie berichtet, war ein Einsatz des Berliner Landeskriminalamtes (LKA) in der Stadt Brandenburg/Havel am Mittwochabend fehlgeschlagen. Acht Beamte des LKA suchten nach einem Hinweis eine Garage, in der gestohlene Fahrzeuge vermutet wurden. Doch die mutmaßlichen Autodiebe aus Polen bemerkten die Observation und flüchteten. Bei der Verfolgung gelang es einem Polen, einem Berliner Beamten Dienstpistole und Schlagstock zu entwinden. Während bei dem anschließenden Großeinsatz drei Verdächtige festgenommen werden konnten, blieb die Fahndung nach dem Mann mit der Waffe bislang ohne Erfolg.

Man können nicht jede Observation in Brandenburg anmelden, sagte Andreas Grabinski, der im Berliner LKA unter anderem für internationale Kraftfahrzeugverschiebung zuständig ist. Je mehr Stellen und Personen eingeweiht seien, desto mehr würde die Vertraulichkeit der Ermittlungen gefährdet. „So handeln die Brandenburger Kollegen auch, wenn sie in Berlin ermitteln“, sagte Grabinski dem Tagesspiegel. Besonders im Bereich der organisierten Kriminalität – dazu zählt auch das Verschieben gestohlener Autos nach Osteuropa – müsse man genau abwägen, welche vertraulichen Informationen man weitergebe, damit „der Einsatz nicht platzt“. Reine Observationen würden Berliner Polizisten auch weiterhin auf eigene Faust unternehmen, sagte Grabinski. Wenn aber Festnahmen geplant seien, würden sie die Brandenburger Kollegen selbstverständlich informieren – schon, weil deren Hilfe gebraucht werde, sagte Grabinski. „Am Mittwochabend wollten wir aber ursprünglich weder die Garage stürmen noch jemanden festnehmen“, betont Grabinski. Erst, als die Berliner Zivilfahnder die Flüchtenden bemerkten, griffen sie zu. Und forderten dann doch massive Hilfe aus Brandenburg an, nachdem einem Beamten die Dienstwaffe entwendet worden war. Zwei Männer wurden durch die Wärmebildkamera eines BGS-Hubschraubers gefunden. „Die Polen ahnten, dass wir Kameras einsetzen und gruben sich deshalb in den Boden ein“, sagte Grabinski. Doch nicht tief genug. Die Festgenommenen seien noch nicht identifiziert.

Auch ein Deutscher, der der Bande seine Garage vermietet hatte, wurde am Mittwoch festgenommen, mittlerweile aber wieder freigelassen. In der Garage sollten zwei vor wenigen Tagen in Berlin gestohlene S-Klasse-Mercedes’ „umfrisiert“ werden, damit sie an der Grenze nicht entdeckt werden. Sie wurden beschlagnahmt.

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