Berlin : Nach Fenstersturz: Experten empfehlen Kindersicherung

Zweijähriges Mädchen aus fünftem Stock gefallen Mutter kam mit schwerem Schock in die Klinik

Tanja Buntrock

Eine halbe Stunde lang hatte ein Notarzt noch versucht, das zweijährige Kind zu retten. Doch die Wiederbelebungsversuche halfen nicht – das Mädchen starb am Montagabend nach einem Sturz aus dem 5. Stock noch am Unglücksort, vor dem Wohnhaus in der Schulze-Boysen-Straße in Lichtenberg.

Bislang ist nur bekannt, dass die allein erziehende Mutter in einem anderen Zimmer in der Wohnung war. Als die 30-Jährige bemerkte, dass ihr Kind in den Tod gestürzt war, wurde sie mit einem schweren Schock in eine Klinik gebracht. Die Kripo könne sie aufgrund ihres Zustandes erst in den nächsten Tagen vernehmen, hieß es bei der Polizei. Die Umstände, wie es zu dem Unglück kam, sind daher weiterhin unklar.

Kaum ein Jahr vergeht, in dem nicht mit Schlagzeilen wie „Dreijährige überlebte Sturz aus 11. Stock“ (2004) oder „Todessturz: Vierjähriger fiel aus 15. Stock“ (2005) über spektakuläre und tragische Unglücke dieser Art in den Medien berichtet wird. Allein im Juli dieses Jahres waren gleich drei Fälle bekannt geworden – alle drei Kinder überlebten; ein Mädchen aus Wilmersdorf erlitt dabei lebensgefährliche Verletzungen. Trotz der vier Unglücke in den vergangenen Wochen sieht die Polizei insgesamt keine Häufung. „Das ist eine gefühlte Steigerung. Doch insgesamt gesehen bleiben es tragische Einzelfälle“, sagte ein Polizeisprecher.

Etwas anders sieht es die „Bundesarbeitsgemeinschaft mehr Sicherheit für Kinder“ (BAG). „Wir haben mit Kinderchirurgen in Berlin gesprochen: Sie haben den Eindruck, dass seit der Hitzeperiode die Zahl der Kinder, die aus Fenstern gefallen sind, gestiegen ist“, sagt Geschäftsführerin Martina Abel. Verlässliche Zahlen darüber hat die BAG allerdings auch nicht. Klar sei, warum vor allem im Sommer solche Unglücke passieren. „Viele lassen die Fenster auf zum Durchlüften, ohne an die kletterfreudigen und neugierigen Kinder zu denken“, sagt Abel. Überhaupt unterschätzten Eltern häufig die Fähigkeiten ihrer Sprösslinge: Insbesondere, wenn Tische oder Hochbetten in der Nähe der Fenster stehen, fällt es auch Kleinkindern leicht, von dort bis aufs Fensterbrett zu klettern. „Die sind unheimlich schnell“, sagt Abel. Da Eltern wohl kaum ihr Kind jede Sekunde im Auge behalten können, böten sich Fenster-Riegel an, um die Sicherheit zu gewährleisten. „Damit geht das Fenster nur einen Spalt auf. Gekippte Fenster können durch das Drehen am Griff nicht geöffnet werden“, sagt Abel. Die Riegel kosten nur wenige Euro im Baumarkt und seien leicht zu montieren. Etwas teurer, zwischen 20 und 100 Euro, kosten abschließbare Fenstergriffe. „Da müssen Eltern aber darauf achten, den Schlüssel sicher zu verwahren.“ Verpflichtet ist in Deutschland allerdings niemand, Kindersicherungen anzubringen. Doch Stürze im Allgemeinen seien die häufigste Unfallursache bei Kindern: Und davon wiederum sind insbesondere Fensterstürze am gefährlichsten und folgenreichsten.

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