Nach gescheiterter Bürgermeisterwahl : Chefposten in Lichtenberg bleibt vakant

Evrim Sommer kämpft mit Schummel-Vorwürfen und mangelndem Rückhalt in ihrer Partei. Es bleibt unklar, ob die Linken-Politikerin noch Bürgermeisterin von Lichtenberg wird.

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Evrim Sommer wäre die erste im Ausland geborene Bezirksbürgermeisterin Berlins.
Evrim Sommer wäre die erste im Ausland geborene Bezirksbürgermeisterin Berlins.Foto: picture alliance / dpa

Nach der chaotischen BVV-Sitzung vom Donnerstagabend bleibt unklar, ob Evrim Sommer (Linke) Bürgermeisterin in Lichtenberg wird. Kurz vor dem ersten Wahlgang hatte der RBB berichtet, dass Sommer ihren Lebenslauf geschönt habe. Der Vorwurf: Sie habe ihre Vita bereits seit eineinhalb Jahren mit dem Titel „Bachelor of Arts“ geschmückt, obwohl sie die Arbeit erst am vergangenen Mittwoch verteidigte. Sommer hielt dagegen, es handle sich bei der Angabe um die Art des Studiengangs und nicht um den Titel.

Kurz danach war Sommer in zwei Wahlgängen durchgefallen, woraufhin die Sitzung abgebrochen worden war. Sommer, die am Freitag nicht erreichbar war, hat inzwischen Teile ihrer Bachelorarbeit ins Netz gestellt und schrieb: „Die Arbeit wurde erfolgreich verteidigt und das Studium abgeschlossen.“ Den Vorgang sollen nun Fachjuristen überprüfen.

SPD vermutet Nein-Stimmen aus der Linksfraktion

Von deren Ergebnis wird wohl auch die Unterstützung der Kooperationspartner abhängen. „Es herrscht schon große Irritation“, sagt die Grünen-Fraktionsvorsitzende Camilla Schuler. Dennoch stehe man geschlossen hinter Sommer. „Angesichts des Rechtsrucks im Lichtenberger Parlament ist sie die Person, die für Toleranz und Vielfalt steht.“ Sollten sich die Vorwürfe jedoch erhärten, sei Sommer wohl nicht mehr wählbar.

Ähnlich drückt sich der SPD-Fraktionsvorsitzende Kevin Hönicke aus. Seines Wissens habe seine Fraktion am Donnerstag geschlossen für Sommer gestimmt. „Ich vermute, dass ein Großteil der Nein- Stimmen aus ihrer eigenen Fraktion kam“, sagt Hönicke. Die Linke soll nun ihre Probleme lösen, denn durch die Nichtwahl habe "das Ansehen des Bezirkes und das Amt der Bezirksbürgermeisterin Schaden genommen. Es war kein guter Tag für Lichtenberg", sagt Hönicke. Er glaubt, dass einige Linke lieber den ehemaligen Stadtrat für Jugend und Ordnung aus Treptow-Köpenick, Michael Grunst, als Bürgermeister gesehen hätten.

Tatsächlich genießt Sommer nicht den größten Rückhalt in ihrer Partei. Bei der Wahl zur Spitzenkandidatin hatten im Januar lediglich 57,8 Prozent der Delegierten für sie gestimmt. Bei der Aufstellung als Bezirksbürgermeisterkandidatin vor einem Monat konnte sie 74,2 Prozent ihrer Genossen überzeugen.

Anonyme Briefe diskreditieren Sommers Qualifikationen

„Es stimmt, den besten Stand hat sie nicht“, berichtet ein langjähriger Mitarbeiter dem Tagesspiegel. Er ärgert sich über die Veröffentlichung im RBB: „In all den Jahren, in denen ich für sie gearbeitet habe, hat sie nie auch nur auf einer Visitenkarte oder einem Briefkopf einen Titel geführt“, sagt er. Er vermutet eine gezielte Kampagne. Darauf deuten auch anonyme Briefe hin, die bei der Online-Zeitung „LichtenbergMarzahn+“ vor einigen Wochen angekommen sein sollen. Darin seien Zweifel an der Qualifikation Sommers geäußert worden.

Von internen Machtkämpfen will Daniel Tietze, Fraktionsvorsitzender der Linken in Lichtenberg, nichts wissen. Die Fraktion stehe hinter Sommer, sagt er. Woher die Nein-Stimmen kamen, konnte er aber auch nicht erklären. Auf einer Sondersitzung wolle man nun die nächsten Schritte besprechen. „Wir werden das Ergebnis mit Ruhe und Abstand auswerten“, sagt er und kündigt an: „Wir werden nach der besten Lösung für Lichtenberg suchen.“

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