Nach Graffiti-Film : "Unlike U"-Macher drehen wieder

Bekannt wurden die beiden Zehlendorfer durch den Graffiti-Film „Unlike U“. Dieser Tage drehen Björn Birg und Hendrik Regel ihre erste Komödie. Dafür holten sie den größten Kran Deutschlands in den Görlitzer Park.

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Der größte Kran Deutschlands im Görlitzer Park.
Der größte Kran Deutschlands im Görlitzer Park.Foto: Mike Wolff

Sie haben den größten Kran des Landes in den Görlitzer Park verfrachtet. Der Mitarbeiter vom Technikverleih hatte gesagt: „Jungs, das ist was für ’ne Hollywoodproduktion.“ Sie haben es trotzdem geschafft, doch dann kam der Wind. Er wehte mit 50 Kilometern pro Stunde. Keine Chance, den zwei Tonnen schweren und 16 Meter hohen Kran aufzubauen. Für die Schlussszene ihres neuen Films begnügten sich Björn Birg und Henrik Regel dann damit, den Kran bis auf acht Meter Höhe zu errichten.

Birg, 31, und Regel, 33, sind dabei, ihren ersten Spielfilm zu drehen. Bekannt sind die Berliner als Macher des Graffiti-Films „Unlike U“, der seit Ende vergangenen Jahres wieder als DVD verkauft werden darf. Zuvor hatte die BVG den Rechtsstreit mit Birg und Regel verloren. Es ging dabei um unangemeldete Aufnahmen auf BVG-Gelände, wo Sprayer die Züge bemalten. Noch während des Prozesses begannen Birg und Regel mit ihrer neu gegründeten Produktionsfirma „Unlike U“ die Arbeit an ihrem zweiten Film. Demnächst schließen sie den Dreh ab. Die Komödie soll Anfang 2014 in die Kinos kommen.

Mit der optischen Qualität wollen Birg und Regel großen Kinoproduktionen in nichts nachstehen. Bekannte Schauspieler wie Barnaby Metschurat und Oliver Korittke wirken mit, obwohl Birg und Regel als Budget nur Erspartes und die Unterstützung von Freunden und Bekannten haben. In Berlin ginge das, wegen der vielen kreativen Köpfe, sagt Birg. „Das sind Leute, die nicht nur vom Film leben, sondern für den Film.“ Durch ihre Kontakte machen die beiden gebürtigen Berliner möglich, was sonst nicht denkbar wäre. Wenn sie das Kottbusser Tor für Dreharbeiten abschirmen, engagieren sie keine teure Sicherheitsfirma, sondern Bekannte aus der ehemaligen Kreuzberger Straßengang „36 Boys“. Auch sonst soll sich ihre Produktion von anderen unterscheiden. Deutsches Kino sei konventionell, vorhersehbar und sprachlich eindimensional, findet Regel. „Wir wollen eine direktere Sprache, weniger Schwarzwaldklinik, dafür mehr Berlin 2013.“

Unlike U - Trainwriting in Berlin
Der Film "Unlike U" taucht ein in eine Szene, die für Außenstehende kaum nachvollziehbar ist.Weitere Bilder anzeigen
1 von 10Foto: Promo
17.06.2012 11:58Der Film "Unlike U" taucht ein in eine Szene, die für Außenstehende kaum nachvollziehbar ist.

In Schöneberg sitzen die beiden mit ihrer Produktionsfirma in einer geräumigen Erdgeschosswohnung, „für ’n Appel und ’n Ei“, sagt Regel. Gleich gegenüber drehen sie, in der Wohnung von Birgs Bruder. „Sein Wohnzimmer ist seit einem halben Jahr als Set eingerichtet“, sagt Birg. Den Bruder hat er für die Drehzeit bei einer Freundin einquartiert. Auch das Drehbuch für den Spielfilm kommt aus der Familie, Regels Bruder Carsten hat es geschrieben. „Eine Art ,Sex and the City‘ für Männer“ nennen sie die Geschichte. Es geht ums Beziehungsverhalten. Der Name des Films steht bereits fest: „Wie Männer über Frauen reden.“ Zwischendurch halten sich Birg und Regel mit kleineren Drehs für Musikvideos und Imagefilmen über Wasser.

In Zehlendorf sind die beiden aufgewachsen, wo sie einen gemeinsamen Freundeskreis hatten. „Wir kennen uns unser halbes Leben“, sagt Birg. Nach dem Schulabschluss wuchs Regel als Produktionsfahrer in die Filmszene hinein, karrte Schauspieler und Filmequipment durch die Stadt. Als Teil der Berliner Rapgruppe Beatfabrik arbeitete er an einem Film über die Gruppe mit, später an „Rap City Berlin“, einem Porträt über Berliner Rapper. Björn Birg war in der Gastronomie und als Partyveranstalter tätig. Weil sie Kontakte zu Sprayern hatten, beschlossen sie, einen Film über die Graffiti-Szene zu drehen. Sieben Jahre später war „Unlike U“ fertig.

Die BVG-Klage ist für sie eine finanzielle Katastrophe gewesen. Die Aufmerksamkeit war aber auch Werbung für die jungen Filmemacher. Den neuen Film nennt Regel eine „Flucht nach vorn“. Als Regisseur ist er für den kreativen Teil zuständig, Birg organisiert und überzeugt Unterstützer. Zum Beispiel als ihnen das Geld fehlte, für ein paar Stunden Drehzeit die Hotelbar des „nhow“ in Friedrichshain zu mieten. Sie durften trotzdem anrücken – um ein Uhr früh. Dass zu diesem Zeitpunkt noch 300 Gäste in der Hotelbar feierten, darunter die Kandidaten der Castingshow „Voice of Germany“, war Pech. Sie mussten warten.

Ausdauer, Kontakte und Überzeugungskraft sind das Kapital von „Unlike U“. „Mach dir keinen Kopf, das wird schon – das sag ich so oft, dass Henrik es bald nicht mehr hören kann“, sagt Birg lachend. Aufnahmen von Oberbaumbrücke und Fernsehturm wird es in ihrem Großstadtfilm nicht geben. Stattdessen holen sie sich Schauspieler, Drehorte und Dialoge direkt aus dem Berliner Leben. So wie sie es kennen.

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