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Nach Intendanten-Kritik : AfD verlost Revue-Karten für Friedrichstadt-Palast

Intendant Berndt Schmidt distanziert sich von der AfD und ihren Wählern. Die Partei reagiert mit einer offensiven Aktion.

Sophie Krause
Tanzt wohl oder übel auch für AfD-Wähler: Das Tanz-Ensemble der aktuellen Revue „The One Grand Show“
Tanzt wohl oder übel auch für AfD-Wähler: Das Tanz-Ensemble der aktuellen Revue „The One Grand Show“Foto: Britta Pedersen/dpa

Die Berliner AfD hat mit einer ungewöhnlichen Aktion auf die Kritik des Friedrichstadt-Palast-Intendanten Berndt Schmidt reagiert: Nachdem sich Schmidt in einer internen Mail von Theatergästen, die die AfD gewählt hatten, distanziert und den Rechtsruck in Ostdeutschland beklagt hatte, verloste der AfD-Landesverband nun Tickets für eine Vorführung im Friedrichstadt-Palast.

Zehn Karten für bekennende AfD-Wähler

Das sagte Parteisprecher Roland Gläser dem Tagesspiegel: „Wir verlosen zehn Karten für die Show am Samstagnachmittag unter denen, die sich bei mir per Mail melden.“ Voraussetzung sei, dass die Bewerber bekennende AfD-Wähler seien. Bei dem Stück, für das die AfD Tickets verlost, handelt es sich um die aktuelle Revue „The One Grand Show“.

Mit der PR-Aktion will die Partei gegen die Absage des Intendanten protestieren. Dieser hatte wie berichtet in seiner Mail mitgeteilt, sein Haus werde sich „künftig noch deutlicher als bisher von 20 oder 25 Prozent unserer potenziellen Kunden im Osten abgrenzen und von Hohlköpfen mit Migrationshintergrund selbstverständlich auch“.

Er wolle deren Geld nicht, schrieb Schmidt. Auf Nachfrage räumte er ein, dass der Palast allerdings nicht überprüfen könne, welche Gäste tatsächlich zu den AfD-Wählern gehörten. Die Aktion sei rein symbolischer Natur. Umgekehrt ist es nun ähnlich: Das Erscheinen ihrer Wähler im Friedrichstadt-Palast werde die AfD per Video begleiten, sagte Parteisprecher Gläser.

Intendant und Parteisprecher verabreden sich zum Treffen

Vor der Vorstellung am Samstagnachmittag richtete der Intendant sich dann in dieser Angelegenheit an das Publikum. Unter lautem Applaus der Zuschauer sagte Schmidt, dass er sich in Zukunft noch mehr als zuvor von der AfD abgrenzen wolle. Abgrenzen heiße aber nicht ausgrenzen. Er hieß auch AfD-Wähler ausdrücklich willkommen. „Doch hoffentlich fühlen Sie sich komisch, wenn Sie gleich sehen, was entstehen kann, wenn ein Ensemble aus 25 verschiedenen Nationen, mit allen Hautfarben, aus Atheisten, Christen, Muslimen und Juden, aus Hetero- und Homosexuellen, von Menschen mit und ohne Behinderungen friedlich zusammenarbeitet.“

Die AfD sei in Teilen eine demokratische Partei mit legitimen Anliegen. Sie müsse sich aber von den Teilen abgrenzen, die Hass auf alles schürten, was nicht deutsch ist oder nicht deutsch aussieht, betonte Schmidt. Diesen Hass müssten auch viele Menschen ausbaden, die in seinem Haus arbeiten. „Mit der Abgrenzung von der AfD habe ich mich klar und deutlich vor alle gestellt, die nicht deutsch aussehen, die hier für den Palast arbeiten oder heute Abend unsere Gäste sind.“ Das Publikum applaudierte - Proteste gegen die Rede gab es nicht.

Unter den Gästen waren dann tatsächlich Anhänger der AfD, die ihre Karte von der Partei geschenkt bekommen hatten. Auch Gläser erschien zu der Show. „Wir kommen nicht, um Krawall zu machen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur vor der Vorstellung. „Wir wollen zeigen, dass wir uns das Denken nicht von einem politisch korrekten Intendanten abnehmen lassen.“ Vor der Aufführung trafen Gläser und Schmidt im Foyer des Palastes aufeinander, tauschten Telefonnummern und vereinbarten ein Gespräch.

Mit seinem Brandbrief gegen AfD-Wähler hatte der Intendant heftigen Protest ausgelöst. Er habe in den vergangenen Tagen etwa 250 Hassmails - teils mit Morddrohungen - erhalten, sagte Schmidt der dpa.

Klaus Lederer hat Verständnis für Schmidt

Der Streit hat derweil die Politik erreicht: Am Donnerstag hatte AfD-Fraktionschef Georg Pazderski gefordert, die staatliche Förderung für den Friedrichstadt-Palast einzustellen. Kultursenator Klaus Lederer (Linke) äußerte sich in der „Berliner Zeitung“ dagegen wohlwollend zu Schmidts Initiative gegen die AfD. „Der Intendant hat eindeutig Stellung gegen den zunehmenden Rechtspopulismus bezogen, das finde ich absolut in Ordnung“, sagte Lederer. (mit dpa)

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