Berlin : "Nach Jahren des Motzens wollte ich endlich selber was machen"

Katja Füchsel

Sie ist zu spät, immer zu spät. Trotzdem klingt die Stimme der jungen Frau gelassen. Eben war Ramona Pop noch in der Uni, jetzt hat die Fraktionssitzung bereits begonnen, und vor der Tür wartet noch ein Fotograf auf die 23-Jährige. Um das jüngste Mitglied des neuen Parlaments aufzunehmen. Muss die Universität zukünftig öfter warten? Doch nicht ein halbes Jahr vor dem Examen, winkt Ramona Pop ab. "Weil ich das gerne möchte, muss sich das auch zusammenkriegen lassen."

Die Frau mit den kurzen, dunklen Haaren ist es bereits gewohnt, Politik nicht nur zu studieren, sondern auch umzusetzen: im Landesvorstand der Grünen Jugend in Nordrhein-Westfalen, im Präsidium des Bundesfrauenrates, im Bundesvorstand der Grünen Jugend und in der Grundsatzkommission von Bündnis 90 / Grüne. Jetzt sagt die 23-Jährige: "Endlich gibt es in Berlin eine Chance für einen politischen Neuanfang."

Geboren und aufgewachsen ist Ramona Pop in Timisoara, Rumänien. Nach der Scheidung ihrer Eltern zog sie 1989 mit ihrer deutschen Mutter nach Münster und ist seitdem "stolze Besitzerin" zweier Pässe. Die Sprache war damals kein Problem, nur eine kleine Eigenart. "Ich hatte einen ganz komischen Akzent." 1997 absolvierte Ramona Pop erst das Abitur, später das Vordiplom - und zog dann aus dem "sehr, sehr konservativen, engen, katholischen Münster" nach Berlin, Prenzlauer Berg. Bereut hat sie den Umzug bislang nicht. "Das Leben in der Stadt ist in all seiner Unterschiedlichkeit wahnsinnig spannend."

Den Schritt in die Politik bezeichnet die Studentin gewissermaßen als logische Konsequenz. "Nach Jahren des Motzens wollte ich endlich was selber machen." Eine andere Partei wäre für sie nicht in Frage gekommen. Weil die Grünen "unter Gerechtigkeit nicht nur Verteilungsgerechtigkeit" verstünden. Weil sie Frauen fördern und "nach vorn stellen". Weil sie sich um die Situation der Migranten kümmern. "Soziale Gerechtigkeit und die Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern stehen im Mittelpunkt meiner Arbeit", sagt sie.

Das Studium, die Arbeit - und dann? "Was 23-Jährige in ihrer Freizeit eben so machen", sagt Ramona Pop - und beginnt aufzuzählen: Partys, Freunde, Sport, lesen, spazierengehen, die Stadt erkunden...

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