Nach Massenepidemie : Sodexo schmeckt Eltern nicht mehr

17.10.2012 00:07 UhrVon Sylvia Vogt/Ariane Lemme
Zahlreiche Kinder verzichten derzeit aufs Schulessen des Caterers Sodexo. Foto: dpa
Zahlreiche Kinder verzichten derzeit aufs Schulessen des Caterers Sodexo. - Foto: dpa

Das Vertrauen in den Schulcaterer Sodexo ist noch nicht zurückgekehrt, zahlreiche Grundschüler verzichten auf das Essen des in Verruf geratenen Anbieters. Wie Familien beim Schulessen mitreden können.

Die Massenepidemie ist überstanden, doch das Vertrauen in den Schulcaterer Sodexo ist bei Eltern und Kindern noch nicht zurückgekehrt. In Berlin und Brandenburg beliefert Sodexo nach eigenen Angaben derzeit 283 Schulen und 216 Kitas. Vielen Eltern wäre es wohl am liebsten, wenn ihre Kinder so schnell wie möglich das Mittagessen eines anderen Caterers bekämen. In Stahnsdorf etwa verzichtet seit dem Ende der Herbstferien rund die Hälfte der Grundschüler auf das Sodexo-Essen.

„An der Heinrich-Zille-Schule haben 180 Kinder das Angebot gestern nicht mehr in Anspruch genommen, 200 Kinder beziehen ihre Mahlzeit aber nach wie vor von dem Großcaterer“, sagte Bürgermeister Bernd Albers. Auch an der Richard-Wagner-Schule in Karlshorst, an der 80 Kinder an der Magen-Darm-Infektion erkrankt waren, nehmen nach Auskunft des Schulleiters Wilfried Wolff die Beschwerden der Eltern zu. Wenn die Gesamtelternvertretung einen Beschluss gegen den Caterer fasse, werde er sich ans Schulamt wenden und ausloten, ob man den Anbieter wechseln könne.

In vielen Fällen ist das aber aufgrund von langfristigen Verträge zwischen Schulträgern und Caterern nicht so einfach. Eine einheitliche berlinweite Regelung gibt es nicht – jedes bezirkliche Schulamt kann Verträge mit unterschiedlichen Laufzeiten und Kündigungsfristen abschließen, kritisiert Michael Jäger von der Vernetzungsstelle Schulverpflegung Berlin. Viele Bezirke würden Aufträge mit einer Laufzeit von vier Jahren ausschreiben, wobei beide Seiten in der Regel zum Ende eines Schuljahres mit einer dreimonatigen Frist kündigen könnten. Die Schulämter könnten außerdem prüfen, ob nach der Auslieferung von verdorbenen Speisen ein außerordentlicher Kündigungsgrund vorliege. Die Pankower Schulstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD), in deren Bezirk rund 250 Kinder betroffen waren, bezweifelt das. Sie halte nichts davon, jetzt die Verträge mit Sodexo zu kündigen, „denn der Fehler liegt im System“. Sodexo würde jetzt vermutlich besser überwacht als andere Großcaterer. Ihre Reinickendorfer Kollegin Katrin Schultze-Berndt (CDU) sagte dagegen, dass in ihrem Bezirk die Verträge zum Ende des Schuljahres kündbar seien und dies bei Beschwerden geprüft werde. Sie kündigte zudem an, Eltern besser über ihre Mitspracherechte – etwa bei der Gestaltung des Speiseplans – zu informieren.

Landeselternsprecher Günter Peiritsch rät Eltern, sich zunächst in der Schule selbst auszutauschen, an die Elternvertreter zu wenden und in den Schulgremien zu beraten. Dann könne man das Schulamt schriftlich auffordern, zu prüfen, ob eine Kündigungsmöglichkeit bestehe. Eltern und Schulen sollten zudem immer darauf bestehen, dass sie über die relevanten Vertragsvereinbarungen schriftlich informiert werden.

Ohne Umweg über das Schulamt können Eltern kündigen, wenn sie selbst einen privatrechtlichen Vertrag mit dem Caterer geschlossen haben. Das ist bei weiterführenden Schulen und in gebundenen Ganztagsgrundschulen so. Im Gegensatz zu Oberschulen sei es bei den Grundschulen aber problematisch, wenn Kinder vom Essen abgemeldet würden. „Das gemeinsame Essen gehört zum pädagogischen Konzept der Ganztagsschule“, sagt Jäger.

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