Nach Missbrauch-Fall : Expertengruppe nimmt Charité-Kommunikation unter die Lupe

26.11.2012 16:25 Uhr
Seit nun schon Monaten in den Schlagzeilen: Die traditionsreiche Berliner Klinik Charité. Foto: dpa
Seit nun schon Monaten in den Schlagzeilen: Die traditionsreiche Berliner Klinik Charité. - Foto: dpa

Sie sollen klären, wo die Schwachstellen der Charité liegen: Sechs Experten um die SPD-Politikerin Brigitte Zypries. Die Berliner Uniklinik ist wegen Missbrauchsvorwürfen und Kommunikationspannen in die Schlagzeilen geraten.

Nach den Missbrauchsvorwürfen und einem Informationschaos an der Berliner Charité hat am Montag ein externes Expertengremium mit der Aufklärungsarbeit begonnen. Die sechsköpfige Gruppe um die frühere Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) soll Kommunikationsfehler innerhalb der Uniklinik finden und Verbesserungsvorschläge machen. Wie lange das Gremium dafür brauchen wird, war noch unklar.

Die Charité muss auf politischen Druck hin die Aufarbeitung der Informationspannen vorantreiben. Noch am Montag sollte Klinikchef Karl Max Einhäupl der Gesundheitssenatorin Sandra Scheeres (SPD) einen Bericht über den Umgang mit den Missbrauchsvorwürfen vorlegen.

Ein 58-jähriger Krankenpfleger soll sich an einem 16 Jahre alten Mädchen vergangen haben, die Charité informierte die Öffentlichkeit erst nach einer Woche davon. Auch die Behörden wurden nicht früher eingeschaltet.
Das Expertengremium um Zypries soll die Strukturen und Abläufe in Deutschlands größter Uniklinik unter die Lupe nehmen. Wie die Gruppe arbeiten wird, stand am Montag noch nicht fest. „Wir werden uns erst einmal als Gruppe finden müssen“, sagte die SPD-Politikerin. Auch einen Zeitplan gebe es nicht: „Wir können nicht wissen, wie lange wir brauchen werden.“ Gremiummitglied und Pflegeexperte Günther Brenzel verwies darauf, dass ein Klima des Vertrauens innerhalb der Klinik und zwischen den Kollegen Grundlage für eine funktionierende Kommunikation sei. In einem Krankenhaus sei sexueller Missbrauch nicht unbedingt ungewöhnlich. In seiner langjährigen Arbeit als Pfleger in Tübingen habe er derartige Fälle erlebt.

  • Die Charité: Bald die erste Bundesuniversität? Der Vorschlag von Bundesbildungsministerin Annette Schavan klingt wie ein Befreiungsschlag. Foto: dpa
    Die Charité: Bald die erste Bundesuniversität? Der Vorschlag von Bundesbildungsministerin Annette Schavan klingt wie ein Befreiungsschlag. - Foto: dpa
  • Die Charité genießt ein gutes Ansehen. Das verdankt sie vor allem ihrer langen Geschichte. Vor 300 Jahren wurde die Charité gegründet. Ein Lageplan um 1730. Foto: Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité
    Die Charité genießt ein gutes Ansehen. Das verdankt sie vor allem ihrer langen Geschichte. Vor 300 Jahren wurde die Charité gegründet. Ein Lageplan um 1730. - Foto: Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité
  • Im Jahr 2010 feierte die Charité 300-jähriges Bestehen. Durch den Zusammenschluss und die Fusionierung mit mehreren anderen Kliniken wurde die Charité nach der Wende zu einer der größten Universitätskliniken Europas. Foto: dpa
    Im Jahr 2010 feierte die Charité 300-jähriges Bestehen. Durch den Zusammenschluss und die Fusionierung mit mehreren anderen Kliniken wurde die Charité nach der Wende zu einer der... - Foto: dpa

Auch Zypries hatte der Nachrichtenagentur dpa am Wochenende gesagt, dass Missbrauch in Kliniken nicht ungewöhnlich sei. „Krankenhäuser und Heime sind besonders gefährdet, da Menschen dort in der Abhängigkeit von anderen Menschen sind.“ Dass Mitarbeiter einen solchen Verdacht nicht kommunizierten, sei „manchmal auch eine Frage der Einschätzung“, sagte Zypries. „Es kommt immer darauf an, wie Kollegen manche Handlungen bewerten.“ Dem Expertengremium gehören neben der SPD-Politikerin und Brenzel der Kinderchirurg Sylvester von Bismarck, der ehemalige Hamburger Innensenator Udo Nagel, die Geschäftsführerin des Kinderschutzvereins „Innocence in Danger“, Julia von Weiler, und die Leiterin der Beratungsstelle „Kind im Zentrum“, Sigrid Richter-Unger, an. (dpa)

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