Nach Rassismus-Vorwürfen 2015 : Verrußte Pieten beim Sinterklaas-Fest

Beim Sinterklaas-Fest in Potsdam gab es diesmal keine Rassismus-Vorwürfe, obwohl die Pieten nicht ganz auf Schminke verzichteten.

von und Hella Dittfeld
Nach den Rassismusvorwürfen wegen ihrer traditionellen schwarzen Bemalung verwendeten die Pieten weniger Schminke und Ruß.
Nach den Rassismusvorwürfen wegen ihrer traditionellen schwarzen Bemalung verwendeten die Pieten weniger Schminke und Ruß.Foto: Manfred Thomas

„Nicht schwarz geschminkt“ würden die Pieten dieses Jahr sein. So stand es in der Ankündigung für das Sinterklaas-Fest im Holländischen Viertel – schließlich wollte man sich nicht wieder dem Rassismusvorwurf aussetzen. Ganz ungeschminkt traten die Nikolaus-Begleiter am Wochenende dann doch nicht auf, man könnte vielleicht von verrußten Pieten sprechen: So hatten sich die niederländischen Darsteller nur ein wenig schwarze Farbe ins Gesicht geschmiert, jetzt als Anspielung darauf, dass der Nikolaus-Diener der holländischen Sage zufolge die Geschenke durch den Schornstein liefert.

Es sei schwer gewesen, eine holländische Darstellergruppe zu finden, die ganz auf eine Bemalung verzichten würde, argumentierte Hans Göbel anschließend, Organisator des Festes und Vorsitzender des Fördervereins zur Pflege niederländischer Kultur in Potsdam. Das Anrußen sei mit der Stadt so abgesprochen gewesen. Ohnehin seien in den Niederlanden bis heute auf dem Land die meisten Pieten schwarz angemalt, nur in den Großstädten gebe es eine bunte Bemalung.

So war es bis vor Kurzem auch in Potsdam: Die Pieten waren dunkelschwarz bemalt, mit dicken roten Lippen und Kraushaarperücken – was Kritiker als eindeutige Diskriminierung Dunkelhäutiger werteten. Daraufhin waren im vergangenen Jahr weder der holländische Nikolaus noch seine Begleiter bei dem Fest anzutreffen, was für so manches enttäuschte Gesicht unter den Gästen sorgte.

Manche Besucher finden die Diskussion "albern"

Umso mehr feierten sie diesmal, bei der 20. Ausgabe des Sinterklaas-Festes, die Wiederkehr des weißhaarigen Rauschebarts und seiner Gesellen durch einen wahren Ansturm auf das Fest in der Mittel- und Benkertstraße – mitunter kam man kaum noch vorwärts. Rund 15.000 Besucher seien allein am Sonnabend gekommen, schätzte Hans Göbel anschließend.

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Zu den Besuchern zählte erstmals auch die niederländische Botschafterin Monique van Daalen. „Das Schwarz kommt aus dem Kamin“, sagte sie zu den Pieten, geübt in Kompromissbereitschaft. „Es ist ein gutes Fest“, meinte sie, „eine schöne Mischung zwischen Weihnachten und Sinterklaas.“ Sie spielte damit auf die Rutschpartien des Weihnachtsmannes und der Weihnachtsgeschenke durch deutsche Kamine an. Weniger nachsichtig beurteilte ein Ehepaar aus Nuthetal den Streit: „Es ist beschämend, dass die Pieten nicht mehr schwarz auftreten dürfen“, sagte der Nuthetaler. „Das ist eine lange Tradition und ich sehe dabei keinen Rassismus.“ Auch Detlef und Marina aus Blankenfelde fanden die Diskussion um die schwarzen Pieten „albern“.

Ähnlich reagierten auch die Holländer von der Kunsthandwerkgruppe Saaland. In Raalte dürften sich die Pieten noch immer schwarz schminken, sagten sie. Man habe sogar schwarze Mitbürger, die nichts an dieser Tradition auszusetzen hätten. Trotzdem sei man auch in Holland dazu übergegangen, den Gesichtern der Pieten alle möglichen Farben zu geben – ähnlich wie in Potsdam. Student Jasper am Spielestand etwa hatte sich pflichtschuldig auch nur schwarze Streifen ins Gesicht gemalt, die Kraushaarperücke lugte aber trotzdem noch unter dem Kopfputz hervor.

Noch unklar, ob es 2017 wieder ein Sinterklaas-Fest gibt

Sinterklaas selbst hatte wie schon früher Kinder auf der Bühne empfangen, die sich völlig angstfrei zeigten. Sie beantworteten seine Fragen, rezitierten Gedichte und sangen sogar Lieder mit mehreren Strophen. Die fünfjährige Julia machte das so schön, dass aus dem Publikum der Ruf „Zugabe“ ertönte. Julia zog dann aber doch lieber mit ihrem Geschenk ab.

Die niederländischen Standbetreiber zeigten sich überwiegend zufrieden mit ihrem Ausflug nach Potsdam, wie etwa der Stuhlsitzflechter Coen Eikelboom, der das fünfte Mal dabei war und das Fest trotz des Besucheransturms gemütlich fand. Oder Holzschuhmacher Martin Dijkman, der nach eigener Aussage an einem Wochenende in Potsdam mehr Holzschuhe verkauft als in Holland. Er sei von Anfang an bei den Sinterklaas-Festen dabei und habe schon eine Stammkundschaft, die immer wieder Nachschub an Holzschuhen hole.

Ob es auch ein 21. Sinterklaas-Fest gibt, ist noch unklar – die Finanzierung sei noch nicht gesichert, sagte Göbel. Das treffe auch auf das Tulpenfest im Frühjahr zu. Dieses finde aber auf alle Fälle statt, so Göbel. Bei den Absprachen mit der Stadt sei man auf gutem Wege.

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