Nach Rechtsstreit : Emmely darf ab Dienstag wieder an die Kasse

Die als Emmely bekannt gewordene Kassiererin Barbara E. kehrt nach einem langen Rechtsstreit heute wieder an ihren alten Job zurück. Die Kaiser's-Kassiererin war wegen eines angeblich gestohlenen Pfandbons fristlos gekündigt worden.

Barbara E.
Barbara E.Foto: ddp

Sie werde in einer Kaiser's-Filiale im Stadtteil Hohenschönhausen nahe ihrem Wohnort eingesetzt, wie eine Unternehmenssprecherin in Mühlheim sagte. Am Montag sei die 52- Jährige in einer Musterfiliale geschult worden. „Emmely“ war 2008 nach 31 Jahren fristlos entlassen worden, weil sie zwei liegengebliebene Pfandmarken im Wert von 1,30 Euro eingelöst hatte.

„Emmely“ klagte zunächst erfolglos gegen ihren Rauswurf. Am 10. Juni hob das Bundesarbeitsgericht die Kündigung auf. Eine Abmahnung hätte in diesem Fall gereicht, urteilten die Richter. Die 52-jährige Berlinerin arbeitete 31 Jahre lang als Verkäuferin; zuerst bei einer Handelskette der DDR in Neubrandenburg, später bei Kaiser's im Berliner Osten als Kassiererin. Nach Angaben ihres Anwalts machte sich die Frau während der gesamten Arbeitszeit keines Vergehens schuldig. 2007 organisierte sie Streiks mit, in denen Lohnerhöhungen gefordert wurden. Der Kaiser's Tengelmann GmbH wurde vorgeworfen, dass ein Zusammenhang mit der späteren Entlassung besteht.

Langer Rechtsstreit bis zum Bundesarbeitsgericht

Mitte Januar 2008 wollten Kollegen E. Pfandbons gegeben haben, die sie wenig später zu ihren Gunsten einlöste. Kaiser's kündigte ihr daraufhin im Februar 2008 fristgerecht und fristlos. Seither rollt eine Protestwelle gegen diese spezielle Verdachtskündigung und Verdachtskündigungen im Allgemeinen, der Fall wurde zum Politikum. E.s Anwalt sagt inzwischen, dass er eine Abmahnung für "ausreichend" gehalten hätte. Sie selbst bestreitet den Diebstahl der Bons à 48 Cent und 82 Cent.

Mit ihrer Klage gegen die Kündigung scheiterte die Kassiererin erst vor dem Arbeitsgericht Berlin und dann im Februar 2009 vor dem Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg (LAG). Die Richter verwiesen auf das "besondere Vertrauensverhältnis" zwischen Arbeitgeber und Kassiererin. Das LAG untersagte zudem eine Revision.

Auch eine Einigung zwischen Kaiser's und E. scheiterte nach Angaben der Kaiser's-Anwältin: Statt fristloser Kündigung zum 22. Februar 2008 fristgerechte Kündigung bis Ende September 2008. E. habe diese Einigung platzen lassen. E. habe zudem ehemalige Kollegen mit falschen Anschuldigungen überzogen.

Ende Juli 2009 gab das Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt einer Beschwerde von E. aber in Teilen statt. Danach durfte sie gegen das Urteil des LAG doch noch Revision einlegen. (ddp/dpa)

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