Nach Rekordkälte : Warten auf Schnee

Mittwochfrüh wurde der Kälterekord für einen 1. Dezember gebrochen, bis zum Mittag mussten fünf Flüge gestrichen werden. Minus 15 Grad soll es in den kommenden Nächten kalt werden. Für Donnerstag wird mehr Schnee erwartet

von und Thordis Meyer
Pfui Pfütze. Das Schnee-Silvesterböllergemisch taut in diesen warmen Tagen, zurück bleiben Splitt und Müll – und große Wassermengen wie hier vor dem Reichstag.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Guenter Peters
10.01.2011 14:01Pfui Pfütze. Das Schnee-Silvesterböllergemisch taut in diesen warmen Tagen, zurück bleiben Splitt und Müll – und große...

Die Berliner Flughäfen bekommen die ersten Auswirkungen des Winters in Europa zu spüren. An den Airports Tegel und Schönefeld müssten bis Mittwochmittag fünf Flüge gestrichen werden, sagte ein Flughafensprecher. Dabei handelte es sich um Verbindungen nach Helsinki, London, Düsseldorf und München. Zugleich habe es „winterübliche Verspätungen“ gegeben. Flugzeuge mussten enteist werden. Den Angaben zufolge ist für die Ausfälle das Winterwetter an den Zielflughäfen verantwortlich. „Bei uns läuft alles planmäßig.

Sollten Schneemassen kommen, sind wir darauf vorbereitet und gut gerüstet.“ Der Dienstleister GlobeGround habe seine Lager mit ausreichend Enteisungsmittel aufgefüllt. Vier der ausgefallenen Flüge sollten von Tegel aus starten, einer von Schönefeld.

In Berlin soll der Winter nun Eiseskälte, Schnee und sogar blizzardartigen Sturm bringen. In der Nacht zu Mittwoch sind die Temperaturen bereits auf bis minus elf Grad abgesackt, es schneite aber nur leicht. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erfasste für die Ortsteile Berlin-Buch und -Dahlem diese extremen Minuswerte. Bisher lag der Rekord am 1. Dezember bei minus 4,9 Grad im Jahr 1953. Am Mittwochmorgen um 7 Uhr froren die Berliner flächendeckend bei minus 10 Grad Celsius. Wie Diplom-Meteorologe Robert Scholz Tagesspiegel.de sagte, liege die gefühlte Temperatur sogar bei minus 20 Grad. Der eisige Ostwind mache sich vor allem in den Ost-West-Schneisen der Innenstadt bemerkbar.

In der Mark war es noch einmal deutlich kälter als in Berlin: In Klettwitz wurden in der Nacht zu Mittwoch minus 13 Grad gemessen, in Coschen sogar minus 15. Am Donnerstag soll es auch in Berlin so kalt werden. Scholz erwartet für die Nacht auch in der Hauptstadt Tiefsttemperaturen bis zu minus 15 Grad. Damit liegen die Temperaturen in Berlin in diesem Jahr Anfang Dezember mehr als zehn Grad unter dem Durchschnittswert. Der Berliner Tiefstwert im Jahr 2010 wurde am 26. Januar in Tempelhof gemessen. Dort war es minus 17 Grad kalt.

In der Nacht zu Donnerstag soll Schnee die Stadt zentimeterdick einhüllen. Der DWD erwartet Schneehöhen zwischen fünf und zehn Zentimeter. Dann wird es erstmals glatt. In der Nacht zu Mittwoch lag in Schönefeld lediglich ein Zentimeter Schnee, ansonsten blieb die weiße Pracht nur auf berlinweit verstreuten Flecken liegen. Derzeit schneit es weiterhin leicht.

Mit einem Verkehrschaos rechnet der ADAC nicht, ist aber auf mehr Unfälle und Pannen vorbereitet. „Die Leute müssen sich erst auf den Winter einstellen“, hieß es. Die Stadtreinigung will bei Schneefall um drei Uhr früh ausrücken, um die Hauptstraßen zu räumen. Auf den Flughäfen sollen verstärkte Teams die Start- und Landebahnen eisfrei halten. Gestern fielen in Tegel Flüge nach München, London und Helsinki wegen des dortigen Wintereinbruchs aus.

BVG und S-Bahn sind zuversichtlich. Man werde alles tun, um Verspätungen zu vermeiden, heißt es. Ein ICE von München nach Berlin blieb in der Nacht zum Dienstag bei Ludwigstadt (Bayern) liegen, weil ein schneebeladener Baum auf die Gleise gefallen war. Auf der beschädigten Strecke blieb dann noch der Strom weg, sodass die Zugheizung nicht mehr funktionierte. Rund 200 Reisende konnten aus dem unwegsamen Gelände nur mit Hilfe eines Ersatzzuges fortgebracht werden. Sie bekamen in einer nahen Turnhalle Essen und heiße Getränke, bevor man sie mit Bussen zum nächsten ICE-Bahnhof brachte.

Frieren müssen die Berliner zu Hause nicht, versprechen die Energieversorger. Bei der Gasag freut man sich sogar auf die Kälte: Mit jedem Grad weniger unter Null verkaufe man zehn Prozent mehr Gas. Und auch der Einzelhandel ist gut gelaunt: „Rekordkälte beschert Rekordverkäufe von Winterkleidung“, weiß man aus Erfahrung. Bereits am vergangenen Wochenende habe der Umsatz drei Prozent über dem des Vergleichswochenendes im Vorjahr gelegen. Der Kälteeinbruch bleibt aber vermutlich nur eine kurze Vorübung. Ab Montag soll das Thermometer wieder ein wenig im Plus liegen. (mit dapd)

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