Berlin : Nach S-Bahn-Unfall und U-Bahn-Sturz viele Fragen offen

Klaus Kurpjuweit,Werner Schmidt

Die beiden rätselhaften Unfälle vom Wochenende bei der S- und U-Bahn sind weiter ungeklärt. Am Sonntagabend war am Bahnhof Ostkreuz eine S-Bahn auf einen anderen Zug aufgefahren, in der Nacht zuvor hatte ein U-Bahnfahrer auf der Linie U 2 einen lebensgefährlich verletzten Mann auf den Gleisen entdeckt, der nach seinen Angaben von Jugendlichen durch die Scheibe auf die Schienen geworfen worden war.

Von den zehn Verletzten des Auffahrunfalls bei der S-Bahn befand sich gestern nach Angaben der S-Bahn noch einer im Krankenhaus. Der Fahrer des Zuges, der aufgefahren war, habe einen Schock und konnte deshalb noch nicht befragt werden, sagte gestern S-Bahn-Sprecher Ingo Priegnitz.

Ein Zug der Linie S 8 Richtung Richtung Grünau war im Bahnhof Ostkreuz auf einen vorausfahrenden Zug der Linie S 4, der nach Westhafen unterwegs war, geprallt. Der Zug der S 4 wollte gerade den Bahnhof verlassen. Normalerweise ist ein Gleis durch Signale so gesichert, dass sich stets nur ein Zug in einem bestimmten Abschnitt befinden kann. Passiert der Zug ein Halt zeigendes Signal, wird er zwangsgebremst. Mit einem besonderen Auftrag kann ein Triebwagenführer allerdings auch am Stopp-Signal vorbeifahren.

Die Untersuchungen der Züge und der Signalanlagen seien noch nicht abgeschlossen, sagte Priegnitz weiter. Ob eventuell die Bremsen des Zuges versagt haben, könne man auch noch nicht sagen.

Zusammenstöße sind bei der S- und U-Bahn sehr selten. Einen Toten gab es, als 1965 eine U-Bahn zwischen den Stationen Zoo und Hansaplatz auf einen anderen Zug aufgefahren war. Ein Techniker hatte ein Rot zeigendes Signal auf Grün geschaltet, weil er dachte, es sei defekt.

Ob der 25-jährige Jugoslawe Sonnabendnacht tatsächlich auf der U 2 aus einem Waggon geworfen wurde oder ob er bei voller Fahrt hinausstürzte, ist ebenfalls weiter ungeklärt. Wie berichtet, hatte der Schwerverletzte behauptet, er sei von Jugendlichen hinausgeworfen worden. Die Randalierer hätten zunächst gegen ein Türfenster geschlagen. Als er eingeschritten sei, hätten ihn die Täter gepackt und durch die Fensteröffnung geworfen. Zeugen für den Vorfall, der sich Sonnabend gegen 23.30 Uhr zugetragen haben soll, gibt es nicht.

Die Polizei zweifelte zunächst an dieser Version, denn Scheibe und Opfer lagen nur etwa 20 Meter auseinander. Der Abstand ist zu gering, um bei einem mit etwa 60 km/h fahrenden Zug erst die Scheibe aus der Halterung zu drücken und dann einen sich verzweifelt wehrenden Menschen durch die 40 bis 50 Zentimeter breite Fensteröffnung zu stoßen. Wenn die Täter aber ihr Opfer mitsamt der Scheibe aus dem Waggon stießen, dann klingt für die Ermittler die Version des Opfers nachvollziehbar. Am Waggon fand die Polizei zudem Spuren von den Schuhen des Opfers. Beim Sturz prallte der Mann offenbar mehrfach gegen den Waggon. Er konnte bisher nicht befragt werden.

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