Nach Schlägerei : Freund des Attentäters Amri verurteilt

27-Jähriger gesteht Gewalttat im Drogenmilieu und bekommt eine 20-monatige Haftstrafe. Er gilt auch als mutmaßlicher Kontaktmann des Berlin-Attentäters Anis Amri.

Mohamed D. muss sich wegen einer Schlägerei in einer Bar in Berlin-Neukölln verantworten.
Mohamed D. muss sich wegen einer Schlägerei in einer Bar in Berlin-Neukölln verantworten.Foto: Paul Zinken/dpa

Der Name des späteren Berlin-Attentäters Anis Amri fiel mehrfach bei der Polizei und bei der Justiz. Dingfest wurde er nicht gemacht. Obwohl es um Taten ging, die – wie nun in Gerichtsverfahren deutlich wird – durchaus zu Haftstrafen führen können. Als ein Schläger, der gemeinsam mit Amri in einem Streit im Drogenmilieu zulangte, stand nun der 27-jährige Mohamed D. vor dem Amtsgericht Tiergarten. 

Eine Prügelei rund fünf Monate vor dem islamistischen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche. In einer Bar in Neukölln waren Amri, D. und zwei weitere Begleiter gegen Kontrahenten vorgegangen. Es sei um Differenzen nach Drogengeschäften gegangen, so die Anklage. D. habe mit einem Barhocker in Richtung eines Gegners geworfen, Amri soll mit einem Gummihammer zugeschlagen haben, ein dritter Komplize habe sogar ein Messer eingesetzt. 

Erfolglos Asyl beantragt

Als die erste Anklage im Falle der Schlägerei erhoben wurde, lag das Attentat, bei dem zwölf Menschen getötet und fast 70 verletzt wurden, drei Wochen zurück. Im Namen der Terrormiliz IS hatte Amri am 19. Dezember einen gekaperten Truck in den Markt gesteuert. Auf der Flucht wurde der 24-jährige Islamist, der mehr als ein Dutzend Alias-Namen benutzt hatte und kriminell aufgefallen war, von italienischen Polizisten erschossen. 

Auch Mohmad D., 2014 aus Tunesien nach Deutschland gekommen, hatte verschiedene Identitäten benutzt. Er war einer Unterkunft in Sachsen zugeteilt worden. D. hielt sich nicht lange daran. Wie Amri hatte er erfolglos Asyl beantragt. Wie Amri wurde er mehrfach kriminell. D. allerdings musste auch in Haft. Zuletzt habe er eine Strafe von 16 Monaten Haft erhalten sagte der Angeklagte. Er wolle nun zurück in seine Heimat – „zusammen mit meinem jüngeren Bruder“. Die zuständige Ausländerbehörde habe die Ausweisung auch auf den Weg gebracht, hieß es. 

20 Monate Haftstrafe

Amri sei sein Freund gewesen, hieß es im Geständnis des 27-Jährigen. Sie seien in der Bar gewesen, um Drogen zu kaufen. Weil sie aber angegriffen wurden, habe er sich aus Angst einen Barhocker geschnappt. „Ich habe aber nicht getroffen.“ Zwei weitere Anklagen lagen gegen D. vor – wegen Diebstahls und Einbruchs. Auch diese Taten gab der Tunesier, der seit März in Untersuchungshaft sitzt, zu. Er habe Drogen konsumiert und zum Teil unter „Suchtdruck“ gestanden. Er hoffte auf Haftentlassung, es kam anders. Ein Jahr und acht Monate Gefängnis unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung verhängten die Richter und entsprachen damit im Wesentlichen dem Antrag des Anklägers.

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