Nach Strafzettel : Neunjährige verzeiht der falschparkenden Polizei

Unser Autor sinniert über den „schönsten Strafzettel der Welt“ und andere Polizeimeldungen. Eine Glosse.

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Strafzettel. Die Polizei muss sich auch an die Regeln halten, findet Meggie.
Strafzettel. Die Polizei muss sich auch an die Regeln halten, findet Meggie.Foto: Polizei

Es wäre nicht nötig gewesen, Donald Trump zu wählen, nur um zu betonen, wie wichtig die sozialen Netzwerke für die weltweite Kommunikation sind. Der neue US-Präsident allerdings ist ein Virtuose der Twitterei (oder hat einen im Stab), während Michael Müller beispielsweise mit all dem nichts anfangen kann und sich über schlechte Resonanz wundert.

Viele Berliner Behörden und Eigenbetriebe halten es eher mit Trump, speziell die BVG, die anlässlich der US-Wahl definitiv die Kalauerkrone abgeschossen hat: „2001-2009 George W. Bus, 2009-2017 Barack U-Bahna, 2017-... Donald Tram. Wir finden die Wahl der Amerikaner logisch“. Aua!

"Einmal ist keinmal"

Die Polizei haut nicht ganz so gnadenlos drauf, macht ihren Twitter- und Facebook-Job aber doch recht munter. Am Dienstag wurde uns der „schönste Strafzettel der Welt“ präsentiert, eine handschriftliche Notiz der neunjährigen Meggie, angeheftet an einen Streifenwagen: „Bußgeld wegen Falschparkens in einer Einbahnstraße“. Die Beamten fotografierten den Zettel mitsamt ihrer Entgegnung: „Liebe Meggie, wenn uns jemand ganz dringend um Hilfe ruft, dürfen wir auch mal falsch in Einbahnstraßen parken. Deine Polizei“.

Ergänzend hieß es sicherheitshalber, der Einsatz habe einem Fall häuslicher Gewalt gegolten, nur, damit niemand auf die Idee kommt, der Einsatzzweck seien frische Brötchen gewesen – was manchmal vorkommen soll, dann aber nicht getwittert wird. Viele tausend Likes kamen zusammen, dpa machte eine Meldung draus, und auch Meggie hat sich noch einmal gemeldet: „Ihr seid begnadigt - einmal ist keinmal“.

Viele Reaktionen auf Appell der Polizei

Es gibt auch ernstere Fälle: Die Mitteilung über den Angriff auf Streifenwagen am Wochenende war tausendfach „geliked“ und geteilt worden. Aber weitgehend unkommentiert blieb die sachliche Mitteilung am Dienstag, ein vermeintlicher Suizid sei nun als Mord enttarnt. Für uns in der Redaktion ist das durchaus noch ungewohnt: Jeder kann nun über erste Fakten so schnell informiert sein wie ein Polizeireporter. Aber die Sache ist es wert. Vielleicht kommt der Regierende ja auch noch auf den Trichter.

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