Nach Streitinterview zwischen Ramona Pop und Jan Stöß : Die Narben der Anderen

Im Tagesspiegel-Doppelinterview stritten SPD-Chef Jan Stöß und Grünen-Fraktionschefin Ramona Pop über fast jedes zur Sprache kommende Thema. Gemeinsamkeiten müsse man „mit der Lupe suchen“, kommentiert CDU-Chef Henkel. Um Rot-Grün sorgt er sich nicht.

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Jan Stöß, 40, ist seit zwei Jahren Landeschef der SPD. Ramona Pop, 36, seit fünf Jahren Fraktionschefin von Bündnis 90/Die Grünen. Eigentlich müssten sie miteinander können, tun sie in Berlin aber nicht. Ein Streitgespräch im Tagesspiegel.
Jan Stöß, 40, ist seit zwei Jahren Landeschef der SPD. Ramona Pop, 36, seit fünf Jahren Fraktionschefin von Bündnis 90/Die Grünen....Foto: Mike Wolff

Eine rot-grüne Vision für Berlin haben SPD-Landeschef Jan Stöß und die Grünen-Fraktionsvorsitzende Ramona Pop im Tagesspiegel-Doppelinterview nicht entwickelt. Pop betonte vielmehr, die Grünen setzten auf Eigenständigkeit und würden „als fast 20-Prozent-Partei selbstbewusst in den Wahlkampf ziehen“. Die SPD regiere seit 25 Jahren. „Deshalb ist sie ja so verbraucht.“ Und Stöß sagte, nichts sei nach der Abgeordnetenhauswahl 2016 undenkbar: „weder Rot-Grün noch Rot-Rot und auch nicht eine Fortsetzung der erfolgreichen Zusammenarbeit mit der CDU“. Eine Fortsetzung der großen Koalition in Berlin schließt auch die CDU nicht aus, doch hält sie sich mit Aussagen dazu deutlich zurück. „Ich habe keinen Anlass, mich zwei Jahre vor der Wahl über mögliche Partner zu äußern“, sagte der CDU-Parteichef Frank Henkel dem Tagesspiegel. „Die CDU hat einen laufenden Koalitionsvertrag. Alles andere wird 2016 neu bewertet.“

Rot-grüne Gedankenspiele wollten bei Henkel jedenfalls nicht aufkommen. „Nach diesem Streitgespräch muss man sich derzeit keine Gedanken über Rot-Grün machen. Interessant, dass beide Parteien ihre Entfremdung und die atmosphärischen Störungen noch einmal freiwillig dokumentieren.“ Er sehe „viele Narben, Vorwürfe und enttäuschte Gefühle“. In dem Interview müsse man die Gemeinsamkeiten zwischen SPD und Grünen „mit der Lupe suchen“, meinte Henkel.

Immerhin sind sich SPD und Grüne einig, dass Berlin „sehr selbstbewusst“ in ein Bewerbungsverfahren für die Olympischen und Paralympischen Spiele gehen sollte. Rot-Grün regierte in Berlin immer nur kurz. 1989 gewannen SPD und die Alternative Liste (AL) als Vorgängerin der Grünen die Wahl 1989. Ein Jahr später zerbrach Rot-Grün. 2001 regierte nach dem Bruch der großen Koalition eine rot-grüne Minderheitsregierung unter Tolerierung der PDS, später Linke.

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