Nach Studie zu Stromausfall : Im Katastrophenfall will Berlin vorbildlich sein

Als erstes Bundesland entwickelt die Hauptstadt umfassende Krisenpläne für einen Blackout. Entscheidend ist die Kommunikation.

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Typisches Folgeproblem eines Blackouts: Die Versorgung der 3000 Dialysepatienten in Berlin.
Typisches Folgeproblem eines Blackouts: Die Versorgung der 3000 Dialysepatienten in Berlin.Foto: dpa

Die schlechte Nachricht ist am Wochenende bekannt geworden: Ein großflächiger, tagelanger Stromausfall würde einer Studie der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) zufolge die Hauptstadt ins Chaos stürzen. Die gute Nachricht: Als erstes Bundesland überhaupt nimmt sich Berlin des Themas an – mit dem vom Bundesforschungsministerium finanzierten Projekt „Tanknotstrom“, an dem sich neben der HWR auch Feuerwehr, Polizei und Charité beteiligen.

„Für uns ist am wichtigsten, dass wir im Ernstfall weiter kommunizieren können“, sagt Frieder Kircher von der Feuerwehr. Die meisten Funkstationen der Behörden hätten nur Batteriepuffer für maximal zwölf Stunden. Danach müssten dieselbetriebene Notstromaggregate einspringen, die im Ernstfall etwa auch die Krankenhäuser versorgen. Manche hielten einen Tag durch, andere drei bis vier. „Dann muss nachgetankt werden“, sagt Kircher. Partnerunternehmen des Projektes entwickeln Geräte für eine katastrophensichere Fernüberwachung, damit ein Krisenstab genau weiß, wie lange der Sprit in welchen Lagern noch reicht. Außerdem widme sich eine Masterarbeit an der Technischen Universität der Frage, welche Touren für Tanklaster im Ernstfall ideal wären.

Als typisches Folgeproblem eines Blackouts gilt die Versorgung der 3000 Dialysepatienten in Berlin, die über die Stadt verteilt meist in kleineren Praxen betreut werden. Fällt dort der Strom aus, müssten die Patienten auf Kliniken umgeleitet werden. Das wiederum erfordert zuverlässige Koordination zwischen den Einrichtungen und die Bereitstellung zusätzlicher Kapazitäten in den Krankenhäusern. Ähnliche Probleme täten sich bei Beatmungsgeräten für den Hausgebrauch auf, deren Batterien ebenfalls nicht lange reichten.

Dass ein großflächiger Stromausfall angesichts des vielfach verknüpften Vattenfall-Netzes mit zehn innerstädtischen Kraftwerken, 90 Umspannwerken und zwei unabhängigen Leitstellen fast ausgeschlossen ist, weiß auch die Feuerwehr. Aber: „Niemand kann uns das zu 100 Prozent garantieren“, sagt Kircher.

Als einen Engpass hat die HWR die Kommunikation zwischen dem einzusetzenden Krisenstab, der bei Innensenator Ehrhart Körting (SPD) in der City angesiedelt wäre, und den Außenbezirken ausgemacht. Nach Auskunft der Telekom sind die Übertragungsstationen von Handy- und Festnetz durch bundesweit verteilte Notstromaggregate für 48 Stunden gegen Stromausfälle abgesichert. Von der Senatsinnenverwaltung heißt es: „Eine Koordination der Maßnahmen wird bei einem vollständigen langfristigen Ausfall aller stromgestützten Kommunikationsmöglichkeiten natürlich erheblich behindert.“ Allerdings sei man auch auf den Einsatz von Boten zwischen den Behörden vorbereitet.

Auch wenn der Strom nur in Teilen der Stadt ausfällt, kann dies verheerende Folgen haben – vor allem, wenn es weniger wohlhabende Kieze trifft, deren Bewohner sich ohnehin benachteiligt fühlen. Dagegen hätten die Bewohner von Einfamilienhäusern meist größere Vorräte. Das Bezirksamt Neukölln verfügt für den Fall eines Blackouts über ein eigenständiges Notstromaggregat zur Aufrechterhaltung der Kommunikation zwischen den Behörden. Öffentliche Anweisungen würden bei Bedarf über die Polizei verbreitet, da sie über Lautsprecherwagen verfüge. Im Notfall stelle man „im begrenzten Umfang“ sogar die Unterbringung von Bürgern, die Ihre Wohnungen verlassen müssen, in Gemeinschaftsunterkünften sicher, heißt es im Bezirksamt.

Weil bei einem Blackout auch Läden geschlossen wären, gibt die Wirtschaftsverwaltung des Senats für diesen Fall Tipps zur privaten Vorratshaltung. Doch weil eine Liste im Internet ohne Strom nichts hilft, würde die Innenverwaltung sie bei Bedarf verbreiten – mehrsprachig. Was noch zu tun ist, soll mit Abschluss des Forschungsprojekts im Mai 2012 geklärt sein. Dann fehlt nur noch die Umsetzung.

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