Nach Tod von Eisbär Troll : Die Berliner Bärenkultur

Berlin liebt seine Bären. Vor allem die Eisbären. Nach dem Tod von "Troll" im Berliner Tierpark setzt sich Bernd Matthies mit dieser Verehrung zu Lebzeiten und im Tod auseinander. Ein Kommentar.

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Der Eisbär Troll im Jahr 2011. Jetzt ist er im Alter von 28 Jahren gestorben - ein zweites Leben im Naturkundemuseum erwartet ihn aber wohl nicht.
Der Eisbär Troll im Jahr 2011. Jetzt ist er im Alter von 28 Jahren gestorben - ein zweites Leben im Naturkundemuseum erwartet ihn...Foto: Britta Pedersen/dpa

Berlin ohne Bär wäre nur Lin, und wer würde sich schon für eine Stadt mit einem so komischen Namen interessieren? Dabei kommt es auch überhaupt nicht drauf an, ob wir den Job als Wappentier einem Braun- oder Schwarzbären anvertrauen, wie ihn das offizielle Wappen zeigt, oder eben, wie hier oben, einem Eisbären.

Die öffentliche Meinung allerdings, das ist klar, bevorzugt den weißen, das wissen wir nicht erst seit Knut. Eisbären sind fotogener, die dunklen Knopfaugen auf weißem Grund kommen einfach besser auf Fotos, und sie gestalten auch ihre Freizeit attraktiver als ihre braunen Vettern, weil sie zumindest ab und zu mal einen Bauchklatscher hinlegen.

Die Finale Scholle

Aber so furchtbar populär sind sie auch wieder nicht – das sehen wir daran, dass ihr Tod im Normalfall wenig Aufsehen erregt. Im November war im Zoo Nancy gestorben, die, wie man so sagte, Ziehtante von Knut; am Donnerstag wurde Troll im Tierpark tot aufgefunden, ein echt biodeutscher Eisbär ohne Migrationshintergrund, geboren in Schwerin 1986. Ein netter Bursche offenbar, wenngleich er sein wesentliches Lebensziel, die Produktion von Nachwuchs, wohl verfehlt hat. Troll und Nancy – nun ja, es waren eben zwei alte Bären, ein Alter von 28 ist höchst respektabel, wenn auch im Zoo vermutlich leichter zu erreichen als in der Arktis, wo ja jederzeit die finale Scholle warten kann.

Kein zweites Leben als Blickfang

Immerhin hat sich in Berlin die Tonlage ein wenig geändert. Nicht, dass sie nun für tote Bären gleich eine Trauerfeier anberaumen, das wäre ziemlich albern. Aber Zoo-Direktor Andreas Knieriem zeigte Gefühle und teilte mit, „es ist immer traurig, wenn eines unserer Tiere stirbt“. Allerdings sei man auch froh, dass Troll von seinem Leiden erlöst wurde – er hatte Leberkrebs. Knieriems Vorgänger im Amt hatte den Tod des weltberühmten Knuts erheblich distanzierter kommentiert: „Ein normaler Vorgang im Zoo, der immer wieder eintritt.“ Troll, so viel wird man sagen dürfen, hat wohl kein zweites Leben im Naturkundemuseum vor sich, ausgestopft als Blickfang. Es gibt eben auch in Berlin sone und solche Bären.

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