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Nach tödlichen Schüssen in Wedding : Polizei fasst den Gesuchten Mehmet Y.

Fahndung mit Erfolg: Kurz vor Mitternacht nahm die Polizei am Sonntagabend Mehmet Y. fest, den mutmaßlichen Todesschützen von Gesundbrunnen. Der hat die Tat inzwischen gestanden.

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04.08.2011: Auf offener Straße wird in Gesundbrunnen auf ein fahrendes Auto geschossen. Eine Frau stirbt noch am Tatort, deren Tochter erliegt später ihren Verletzungen. Ein Mann wird lebensgefährlich verletzt. Vier Tage später wird der mutmaßliche Täter gefasst: Der frühere Schwiegersohn der getöteten älteren Frau.Alle Bilder anzeigen
Foto: dpa
04.08.2011 14:0904.08.2011: Auf offener Straße wird in Gesundbrunnen auf ein fahrendes Auto geschossen. Eine Frau stirbt noch am Tatort, deren...

Nach den tödlichen Schüssen auf offener Straße im Weddinger Ortsteil Gesundbrunnen, bei denen am Donnerstag eine Frau und ihre Tochter starben sowie deren Bruder schwer verletzt wurde, ist der mutmaßliche Täter gefasst. Nach tagelanger Suche griff ein Spezialeinsatzkommando der Polizei am späten Sonntagabend kurz vor Mitternacht zu und nahm den Gesuchten Mehmet Y. (25) fest. Das teilte die Polizei am frühen Montagmorgen auf Nachfrage von Tagesspiegel.de mit.

Der Gesuchte wollte gerade aus einem Taxi am U-Bahnhof Grenzallee in Neukölln aussteigen und in den Bahnhof gehen, als die Beamten ihn überwältigten. Nach ersten Angaben der Polizei vom Montagmorgen war Y. "zu dem Zeitpunkt nicht bewaffnet". Er hatte die Tatwaffe in unmittelbarer Nähe des Tatortes versteckt. Noch in der Nacht seiner Festnahme führte Y. die Polizei dorthin. Die Pistole wird derzeit von Waffenexperten untersucht.

Weil die Polizei davon ausgegangen war, dass Y. auf seiner Flucht eine Waffe mit sich führen würde, hatte ein für solche Zwecke ausgebildetes Spezialeinsatzkommando bereitgestanden und dann auch zugegriffen. Der 25-Jährige hatte sich aber widerstandslos festnehmen lassen.

Die Berliner Fahnder waren davon ausgegangen, dass sich der mutmaßliche Todesschütze weiterhin in der Hauptstadt aufhielt. Um nach der spektakulären Tat nichts unversucht zu lassen, wurde aber eine europaweite Großfahndung eingeleitet. Am Wochenende intensivierten die Ermittler noch einmal ihre Bemühungen. Unter anderem wurde ein neues Fahndungsbild veröffentlicht, das den Gesuchten mit Bart und etwas längeren Haaren zeigte. Offenbar waren die Fahnder dem mutmaßlichen Täter da bereits auf den Fersen. Ob die Festnahme nun auf einen Tipp aus der Öffentlichkeit hin erfolgte, konnte oder wollte die Polizei am frühen Montagmorgen noch nicht sagen.

Der Festgenommene wurde am Montag verhört und dem Haftrichter vorgeführt. Der Staatsanwaltschaft zufolge hat er die Tat inzwischen gestanden. Das Haus, in dem die Familie der Opfer wohnt, wird vorerst weiterhin von schwer bewaffneten Polizisten bewacht. Erst im Laufe des Tages werde entschieden, ob die Sicherheitsmaßnahmen beendet werden können, hieß es am Morgen.

Mehmet Y. wird vorgeworfen, am Donnerstag seiner Ex-Frau Feride C. in aller Öffentlichkeit aufgelauert und deren Schwester und Mutter in einem Auto erschossen sowie ihren Bruder durch einen Kopfschuss schwer verletzt zu haben. Ferit C., der Bruder von Feride C., ist mittlerweile außer Lebensgefahr, teilte die Polizei am Samstag mit. Die 24-jährige Exfrau des Täters blieb unverletzt, weil sich ihre Mutter schützend auf sie geworfen hatte.

Feride C. hatte sich vor einem Jahr von Y. getrennt. Nach Angaben von Bekannten der Familie soll er dies nicht ertragen haben. Mehrmals hat er seine Exfrau körperlich angegriffen. Gegen Y. hatte es bereits Strafanzeigen wegen Bedrohung und Körperverletzung gegeben, zudem soll er gegen das Gewaltschutzgesetz verstoßen haben.

Wie berichtet, hatte Feride C. vor Gericht eine so genannte Wegweisung durchgesetzt. Zum Schutz kann ein Gericht nach einer Körperverletzung anordnen, dass ein Mann sich einer Frau nicht nähern darf oder generell Orte meiden muss, an denen sich die Frau aufhalten könnte. Zudem kann die Kontaktaufnahme per Telefon, SMS oder E-Mail verboten werden. Ein Verstoß gegen eine dieser Auflagen ist bereits eine Straftat. Sie kann mit einer Geld- oder einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr geahndet werden.

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