• Nach U-Bahnangriff: Polizei wertet Videobilder aus Paar attackiert, Zeugen blickten angeblich weg

Berlin : Nach U-Bahnangriff: Polizei wertet Videobilder aus Paar attackiert, Zeugen blickten angeblich weg

BVG rät: Sofort die Notbremse ziehen

T. Buntrock[C. Stollowsky],K. Kurpjuweit

Nach einer bei der Polizei angezeigten Attacke auf ein junges Paar in einer U-Bahn am Wochenende wertet die Polizei derzeit Videoaufzeichnungen aus. „Der Übergriff ereignete sich in einem jener Züge, deren Waggons überwacht werden“, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. In Kürze wollen die Ermittler beide Opfer befragen. Gegebenenfalls würden ihnen Fotos vorgelegt, in der Hoffnung, dass sie einen Beteiligten wiedererkennen, heißt es. Es sollen mindestens sechs Männer gewesen sein, die in der Nacht zu Sonnabend das junge Paar – 20 und 21 Jahre alt – in der U6 brutal attackiert haben sollen. Der 21-Jährige liegt mit Verdacht auf Nasenbeinbruch im Krankenhaus. Besonders schockierend sei auch für die BVG gewesen, dass sich während des geschilderten Angriffs mehrere Fahrgäste im Waggon befanden, doch laut Polizei niemand Zivilcourage gezeigt und geholfen habe. Die Opfer waren am U-Bahnhof Afrikanische Straße in Wedding aus dem Zug geflüchtet, dort sprachen sie einen BVG- Mitarbeiter an, der die Feuerwehr alarmierte. Die Täter seien weiter gefahren.

Das Paar war laut Polizei am U-Bahnhof Stadtmitte in die U6 gestiegen. Gegen 3.30 Uhr seien am Bahnhof Leopoldplatz die Angreifer hinzugekommen. Als der Zug losfuhr, hätten die Männer das Paar nach einem Taschentuch gefragt. Da der 21-Jährige und seine Freundin ihnen keines geben konnten, habe die Gruppe das Paar angepöbelt. Als die beiden den Platz wechseln wollten, bekam der junge Mann einen Schlag gegen die Nase. Zwei weitere Schläge folgten laut Aussage der Frau. Sie selbst sei von den Angreifern gegen die Wand gestoßen worden. In ihrer Angst habe sie andere Fahrgäste um Hilfe gebeten – doch keiner habe reagiert. So schilderten es die Opfer jedenfalls der Polizei. Eine nähere Beschreibung der Täter konnten das Pärchen nicht geben, hieß es bei der Polizei, andere Details konnten sie aber sehr wohl schildern.

BVG-Sprecherin Reetz betont, das Unternehmen habe sich zum Thema Zivilcourage von Kriminalpsychologen beraten lassen. Demnach gebe es Erkenntnisse, dass Menschen, die in eine solche Situation geraten, oft regelrecht „erstarren“ und „Hilflosigkeit“ eintrete. Auch deshalb habe die BVG die Plakat-Kampagne „Deine Waffe gegen Gewalt“ gestartet. Sie soll zeigen, dass im Grunde ein Knopfdruck auf dem Handy oder an der Notrufsäule ausreicht, um Zivilcourage zu zeigen.“ Erfreulich sei, dass inzwischen „mehr Leute als früher die Leitstelle anrufen, um Vorfälle zu melden.“

Wie verhält man sich am besten, wenn man im Zug eine Gewalttat unmittelbar erlebt? „Sofort die Notbremse ziehen“, rät die BVG. In diesem Falle meldet sich über Lautsprecher der Fahrer und fragt, was los ist. Er kann dann unmittelbar über seinen Notknopf die Leitstelle rufen, die Polizei und Feuerwehr in Marsch setzt. „Das geht alles blitzschnell“, sagt Petra Reetz. Niemand müsse befürchten, dass der Zug beim Ziehen der Notbremse im Tunnel stoppt. Die U-Bahn fährt bis zum nächsten Bahnhof weiter.

Ereignet sich dort ein Übergriff, so sollte man am Bahnsteig sofort den Knopf der Notrufsäulen drücken. Diese sind nur noch mit Piktogrammen versehen, weil Untersuchungen gezeigt haben, dass Menschen in Panik keine Buchstaben wahrnehmen. Wie man sich effektiv gegenüber Gewalttätern verhalten kann, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen, dies vermitteln zudem die regelmäßig angebotenen Präventions- und Antigewaltkurse der Polizei. Aber nicht jeder Zeuge schaut weg. So wird am heutigen Dienstag ein 15-Jähriger für sein couragiertes Handeln geehrt. Er war im Juni am U-Bahnhof Karl-Marx-Straße eingeschritten, als ein 30-Jähriger versucht hatte, einem Rentner eine Bierflasche über den Kopf zu hauen. Der 67-Jährige hatte den Mann zuvor auf das Rauchverbot hingewiesen.

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