Nach vier Monaten : Berlin hat wieder einen Integrationsbeauftragten

Der Neue heißt Andreas Germershausen und hat sich anonym beworben. So ein Zufall: Er ist schon 14 Jahre da.

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Der neue Integrationsbeauftrage hat viel zu tun. Am Dienstag kamen erneut hunderte Flüchtlinge in Berlin an.
Der neue Integrationsbeauftrage hat viel zu tun. Am Dienstag kamen erneut hunderte Flüchtlinge in Berlin an.Foto: Bernd Settnik/ dpa

Berlin hat wieder einen Integrationsbeauftragten. „Ach, hatten wir zwischendurch denn keinen?“, mag da manch einer fragen, denn seine beiden Vorgänger versahen ihr Amt recht geräuschlos. Der Neue heißt Andreas Germershausen, ist 63 Jahre alt, gebürtiger Berliner und war zuletzt – stellvertretender Integrationsbeauftragter. Senatorin Dilek Kolat (SPD) präsentierte Germershausen bei einem Kurzauftritt im Rathaus Köpenick, wo sie sich wegen der Kieztour des Senats befand, der am Dienstag dort tagte und erst zur üblichen Pressekonferenz ins Rote Rathaus zurückkehrte.

„Der Senat hat sich für Kontinuität entschieden“, sagte die Senatorin zur Begründung der Personalie. Germershausen werde in einen „Dialog mit der Stadtgesellschaft eintreten“. Er sei „gut vernetzt in der Stadt“ und schon seit 2001 in der Behörde beschäftigt, ja mehr noch, er habe den Prozess der Umstellung vom „Ausländerbeauftragten“ zum „Integrationsbeauftragten“ mitgestaltet.

Die Personalentscheidung präsentierte Kolat zugleich als Erfolg eines anonymisierten Bewerbungsverfahrens. In einem solchen Verfahren ziehen alle Bewerber ins Rennen, ohne dass Namen, Alter, Geschlecht oder Nationalität offenbar werden. Dem Lebenslauf allerdings wird im Falle Germershausens sehr leicht zu entnehmen gewesen sein, wer der Bewerber ist, was zugleich die Grenzen dieses Verfahrens markiert.

Kolat will keine kritischen Geister

Die Grünen kommentierten die Personalie als „Minimallösung“. Es sei auch schade, dass der Senat „angesichts der vielen Integrationsbaustellen weiter auf einen eigenständigen, starken Beauftragten verzichtet.“ Germershausen scheint vor allem für Kolat eine bequeme Lösung zu sein. Mitarbeiter beschreiben ihn als fleißig, aber auch als jemanden, der keine eigene Linie fährt, sondern eher mache, was ihm gesagt wird. In der Behörde vermuten einige, Kolat habe sich den Kandidaten gesucht, der ihr am wenigsten Schwierigkeiten mache. Sie hat schon einige Mitarbeiter verschlissen und gilt nicht als übermäßig kritikfähig.

Der neue Integrationsbeauftragte Andreas Germershausen
Der neue Integrationsbeauftragte Andreas GermershausenFoto: Fatina Keilani

Nach wie vor ist die Stelle nachgeordnete Behörde der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen. Offiziell vorgestellt wird der neue Integrationsbeauftragte an diesem Mittwoch. Entsprechend wenig war von Germershausen selbst am Dienstag zu hören. So kündigte er an, in jede Flüchtlingsunterkunft Integrationslotsen zu schicken und insbesondere die Sprachförderung zu verstärken. Er möchte außerdem ein Willkommenszentrum eröffnen.

Laut Kolat hatte es 60 Bewerbungen für den Job gegeben, und Germershausen habe sich als Bester durchgesetzt. Der 1952 in Berlin geborene Sozialwissenschaftler war unter anderem bei der Gesellschaft für bedrohte Völker und am Bangkoker Asian Research Center for Migration tätig, bevor er Beamter wurde.

Die Opposition hatte zuletzt im August den Senat wegen der langen Vakanz des Postens in Zeiten eines massiven Flüchtlingszustroms kritisiert. Die frühere Amtsinhaberin Monika Lüke war im Frühsommer zur Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Asien gewechselt. Sie hatte das Amt zwischen Ende 2012 und Mai 2015 inne.

Bis heute denken die meisten Berliner an Barbara John, wenn das Wort Ausländerbeauftragte fällt. John war die erste in diesem Job und legendär. Eines spricht deshalb schon mal für Germershausen: Barbara John hat ihn damals eingestellt.

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