Nach Volksentscheid : Zöllner sieht Akzeptanz für Ethik bestätigt

Huber: Mehr Nachfrage bei evangelischen Schulen

Susanne Vieth-Entus

Die Stundenpläne in Berlins Schulen müssen nicht umgeschrieben werden: „Mit dem Ergebnis ist der Berliner Weg eines freiwilligen Religions- und Weltanschauungsunterrichts in den Klassen 1 bis 13 und eines gemeinsamen verbindlichen Ethikunterrichts in den Klassen 7 bis 10 bestätigt worden“, konstatierte Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) nach Bekanntwerden der Niederlage von Pro Reli. Das eindeutige Votum bei der Abstimmung sei „für die Schulen wichtig, weil es Perspektiven und Akzeptanz des Faches Ethik bekräftigt und damit Auftrag und Möglichkeiten der Schulen stärkt, Kinder und Jugendliche in unsere Gesellschaft zu integrieren.“

Zöllner hatte im Februar die Diskussion um die Wertevermittlung angefacht durch seine Äußerung, dass jeder, der nach einem Sieg von Pro Reli nicht mehr in den Ethikunterricht gehe, „ein Verlorener für die staatliche Aufgabe der Integration“ sei. Er begründete diese Einschätzung damit, dass „Ethik für alle“ ein guter Weg sei, „auch junge Muslime in unsere Gesellschaft zu integrieren“. Die CDU hatte diese Äußerung als „Brandstifterei“ und „Kirchenkampf“ kritisiert.

Der evangelische Bischof Wolfgang Huber sagte am Sonntag nach Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses, durch die Stadt gehe in der Frage eine „tiefe Kluft“. Doch seien die Pro-Reli-Befürworter gesprächsbereit. Wichtig sei nun, dass in Berliner Schulen mehr Werteunterricht angeboten und dies schulpraktisch besser umgesetzt werde.

Bei der „schulpraktischen Umsetzung“ geht es vor allem um die Frage, wie der Religionsunterricht im Stundenplan verankert wird. Aus organisatorischen Gründen ist es schwierig Religionsunterricht am Vormittag anzubieten: Meist wandert er in den Nachmittag.

Anita Mächler von der evangelischen Schulstiftung erwartet ebenso wie Bischof Huber, dass die Nachfrage nach evangelischen Schulen weiter steigen wird. Gerade erst sei die Gründung einer neuen Schule in Friedrichshagen beschlossen worden. Dort hätten sich Kirchenkreis, Kirchengemeinde und die Eltern gemeinsam stark gemacht für die Schule. Zudem gebe es eine neue Initiative für die Gründung einer evangelischen Sekundar- oder Gemeinschaftsschule in Wilmersdorf. Der Status des Religionsunterrichts sei für die Eltern einer von mehreren Gründen bei der Entscheidung für eine evangelische Schule, so Mächler. Susanne Vieth-Entus

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