Berlin : Nach Weihnachten: Meins bleibt meins

Weniger Umtausche mehr Gutscheine

Juris Lempfert

Peinliches Schweigen am Schmuckregal bei Kaufhof. Der Herr Mitte 30 hat seiner Frau zu Weihnachten einen Armreif geschenkt. Aber der Silberschmuck hat Heiligabend nicht um das Handgelenk der Dame gepasst. Jetzt stehen sie beide vor der Verkäuferin und probieren schweigend andere Größen. Zwei Nummern breiter ist dann schließlich richtig. „Im Grunde sind wir hier halbe Psychologen“, sagt die Kaufhof-Verkäuferin hinterher, „Es ist immer das gleiche: Die Männer schenken ihren Frauen Schmuck, von dem sie sich wohl wünschen, dass er ihrer Frau passt. Und dann kommen sie nach Weihnachten mit ihrer Frau und wir müssen alles retten.“

Aber nicht nur in der Schmuck- und Uhrenabteilung herrscht nach den Festtagen ein Andrang wie in der Vorweihnachtszeit. An den Kassen der Spielzeugabteilung bilden sich lange Schlangen. Viele halten jedoch Gutscheine oder einfach nur ihr Portemonnaie in der Hand. „Meine Eltern haben es immer wieder probiert, aber ich bin jedes mal zum Umtauschen gegangen“, sagt der 15-jährige Jan. Seit zwei Jahren kriegt er jetzt nur noch Geld geschenkt. Auch seine Freunde Gordon und Paul suchen sich ihre Weihnachtsgeschenke lieber selbst aus.

„Die Umtausche gehen von Jahr zu Jahr mehr zurück, es werden immer mehr Geld und Gutscheine verschenkt“, sagt KaDeWe-Sprecherin Dagmar Flade. Ein Trend, den auch viele Einzelhändler bestätigen. „Die Leute beschreiben ihre Wünsche offenbar immer genauer, wir haben kaum noch Umtausche, allerdings immer mehr Gutscheine“, sagt die Inhaberin vom Malergeschäft Ebeling am Ku’damm.

Ina Wenk hingegen kann mit Gutscheinen nichts anfangen, jetzt musste sie trotzdem nochmal zu Kaufhof. Die 69-Jährige hatte sich extra eine Puppe zurücklegen lassen, die ein Freund ihr dann kaufen und schenken sollte. Leider wurde die Puppe im Lager vertauscht und jetzt gibt es sie nicht mehr. „Ich will trotzdem auch nächstes Jahr wieder ein richtiges Geschenk“, sagt sie, „so ein Papiergutschein ist mir zu unpersönlich.“

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