Nachbarschaftszank : Polit-Streit um Kreuzberger Moschee

Der Grünen-Europapolitiker Cem Özdemir liegt im Clinch mit Mitgliedern einer kurdischsprachigen Moschee-Gemeinde in Kreuzberg, die ihn als Hitler-Figur verunglimpfen.

Sabine Beikler
Özdemir
Grünen-Politiker Cem Özdemir. -Foto: dpa

In Kreuzberg hat sich ein Nachbarschaftsstreit entzündet, in dem mit harten politischen Bandagen gespielt wird. Es geht um Mieter eines Hauses in der Kottbusser Straße, in dem ein Café im Erdgeschoss und im ersten Stock die Selahaddin-Eyyubi-Moschee untergebracht sind. Und es handelt von dem Grünen-Europapolitiker Cem Özdemir, der im vergangenen Jahr mit Frau und Kind in dieses Haus gezogen ist. Özdemir ist Deutscher türkischer Herkunft, die Moschee ist die einzig kurdischsprachige in Berlin und gilt als PKK-nah und „ultrareligiös“, wie ein Mitglied der türkischen Gemeinde sagt. Seitdem der Nachbarschaftsstreit läuft, wird Cem Özdemir auf PKK-nahen Foren im Internet auf Fotos als Hitler-Figur verunglimpft. Auch in PKK-nahen Zeitungen ist zu lesen, dass Özdemir eine Kampagne gegen die Moschee initiiere und Kurden stigmatisiere, um sich Wählerstimmen bei den Türken zu sichern. Von Cem Özdemir, der gestern die bayerischen Grünen in Würzburg im Wahlkampf unterstützte, gab es gestern auf Anfrage keine Stellungnahme.

Vor 13 Jahren zog die Moschee in das Haus, das vor einigen Jahren zu einer Eigentümergemeinschaft umgewidmet wurde. Der Ärger über die „Moschee im Wohnzimmer“, wie ein Anwohner erzählt, sei immer größer geworden und mündete in einer Unterschriftenaktion. Mitunterzeichner ist Cem Özdemir. Vor Gericht wurde schließlich in diesem Jahr geklärt, dass die Moscheegemeinde mitsamt dem Café ausziehen muss. „Sie versucht zurzeit neue Räume zu finden“, sagt Riza Baran, Vorsitzender der kurdisch-demokratischen Gemeinde in Berlin und Brandenburg. Auch Baran findet es „problematisch, dass in Häusern Moscheen sind“. Baran will den Konflikt in Kreuzberg friedlich lösen und sieht darin aber „auf keinen Fall einen radikal-politischen Streit“. Als es im vergangenen Jahr zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Türken und Kurden in Berlin wegen des Nordirakkonflikts gab, verhinderte die Polizei laut Verfassungsschutzbericht weitere gewalttätige Aktionen durch entschiedenes Einschreiten vor dieser Moschee, die dem Vernehmen nach vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Sabine Beikler

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben