Nachgefragt : Was Zuschauer über die Geher denken

Athleten, die knapp vier Stunden lang hin und her gehen – wer schaut sich das eigentlich an? Der Tagesspiegel hat gestern an der WM-Strecke der 50-Kilometer-Geher nachgefragt.

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Foto: Thilo Rückeis

Anett Scheufler, 34-jährige Physiotherapeutin, hat es sich in einem Café neben der Strecke gemütlich gemacht. „Hier kann ich die Läufer nebenbei gut im Blick behalten. Mich reizt das WM-Erlebnis, die Sportart selbst finde ich eher langweilig. Die laufen ja nur im Kreis. Und ob das für die Gelenke gut ist, so schnell zu gehen, weiß ich auch nicht. Vor den Athleten, die das können, habe ich aber großen Respekt.“

Emma Link, 28 Jahre alt, kommt aus Australien. Die Statistikerin macht gerade mit ihrem Freund Urlaub in Berlin. „Wir sind zufällig hier und wussten gar nichts von dem Geher-Wettbewerb. Aber wir haben gerade einen australischen Athleten entdeckt und wollen uns den jetzt ansehen. Bis zum Zieleinlauf schauen wir uns aber noch ein paar andere Ecken von Berlin an. Ich selbst bräuchte drei Wochen, um 50 Kilometer zu gehen. Übrigens finde ich es toll, dass der Wettbewerb in der Innenstadt ausgetragen wird. So sehen die Zuschauer an den TV-Geräten in aller Welt auch etwas von der schönen Stadt und nicht nur das Stadion.“

Heribert Kaufmann, 59 Jahre, kaufmännischer Angestellter, steht mit seiner Frau an der Strecke. „Meine Frau wollte herkommen und sich das ansehen. Ich selbst finde die Sportart total unnatürlich. Und dann müssen die Athleten auch noch bei dieser Schwüle 50 Kilometer lang durchhalten. Die tun mir echt leid. Ich bin zwar auch schon mal 48 Kilometer gegangen, aber das war bei einer Wanderung im Schwarzwald, die den ganzen Tag gedauert hat.“

Aufgezeichnet von Carl-Friedrich Höck

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