Berlin : Nachgemessert

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VON TAG ZU TAG

Ulrich ZawatkaGerlach

über das Sparen in tiefer Nacht

Na also, es geht doch. Den Sozis wurde schon immer vorgeworfen, sie könnten nicht mit Geld umgehen. Deshalb tun sie das einzig Richtige – sie sparen es weg. Was man nicht hat, macht einem keine Probleme. Das hat jetzt sogar die PDS begriffen. Noch vor kurzem drückte sie ein schweres Konsolidierungstief nieder. Sie wollten nicht die Sparschweine der Nation sein. Doch eine Sommernacht im Grunewald, in der Geborgenheit des Senatsgästehauses, fegte alle Sorgen hinweg. Die Nachtigall sang, die Sonne ging schon fast wieder auf und man war freundlich zueinander.

Was haben sie alle gelacht, als der kauzige Finanzsenator Thilo Sarrazin an einer wichtigen Stelle anmahnte, da müsse man aber „nachmessern“. Nachbessern hatte er sagen wollen, und die Kollegen bepfiffen sich. Ach, der messerscharfe Thilo! „Hallo, mein Schatz“, hatte ihn Justizsenatorin Karin Schubert kürzlich begrüßt. So schlecht kann die Stimmung nicht sein in diesem roten Senat, der nun den knallharten Sanierer spielt. Na klar, man hat sich auch schon mal angeschrieen in den letzten Wochen. Böger kann laut werden, und Wowereit erst recht. Und Flierl kann gut leise weinen. Körting hat sich das Gehirn zermartert, Knake-Werner war so wunderbar beleidigt. Strieder feixte und Wolf rechnete, ohne die Miene zu verziehen, unaufhörlich vor sich hin.

Wie schön, das Politik von Menschen gemacht wird. Und jetzt ist auch alles wieder gut. Nachdem Sarrazin vorsichtshalber noch einmal scharf nachgerechnet hat, werden 1200 Seiten Haushaltsentwurf gedruckt. Und dann – sind Sommerferien!

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