Berlin : Nachgerechnet: Wo die Verwaltung am teuersten ist

Der Finanzsenator hat untersucht, was Dienstleistungen in den Bezirken den Steuerzahler kosten – und erstaunliche Unterschiede festgestellt

Ulrich Zawatka-Gerlach

Was gibt Berlin für eine Eheschließung aus? Das kommt darauf an, in welchem Bezirk man heiratet. Reinickendorf lässt sich jede Trauung 111 Euro kosten, während die Standesämter in Spandau mit 34 Euro auskommen. Im stadtweiten Durchschnitt sind es 70,65 Euro. Kosten, die vom Staat komplett übernommen werden. Denn Hochzeiten sind gebührenfrei.

Die Entgegennahme des Ja-Worts durch einen Standesbeamten ist nur eine von etwa 400 kommunalen Dienstleistungen, die die zwölf Berliner Bezirke erbringen. Allein die Schulen und Kitas verschlingen jeden dritten Euro aus dem Budget, der für das gesamte bezirkliche Leistungsangebot zur Verfügung steht. Die Finanzverwaltung des Senats hat in einer neuen Broschüre einen Kostenvergleich zwischen den Bezirken angestellt. Der Titel: „Was kostet wo wie viel?“ Dabei wurden „erstaunliche Unterschiede“ festgestellt, wie Finanzsenator Thilo Sarrazin im Vorwort betont. Die Vermutung sei deshalb zulässig, dass es „durchaus noch Potenziale für Kostensenkungen gibt“.

Die Impfung eines Kind es kostet in Lichtenberg 58 Euro, in Reinickendorf 13 Euro. Im Durchschnitt sind es 21,08 Euro, die der Gesundheitsdienst in Berlin dafür ausgibt.

Die amtliche Bearbeitung einer Beschwerde über Lärm in der Nachbarschaft kostet in Friedrichshain-Kreuzberg 293 Euro, während Spandau mit 120 Euro auskommt. Im Schnitt werden dafür 178,48 Euro ausgegeben.

Wenn ein Elternteil, meistens der Vater, seine Unterhaltspflicht nicht erfüllt, springt der Staat mit Vorschusszahlungen ein. Dafür werden im Mittel 511,20 Euro pro Jahr ausgegeben. In Spandau sind es aber 793 Euro und in Mitte 698 Euro, während Lichtenberg nur 430 Euro für Unterhaltsvorschüsse ausgibt.

Was kostet die Nutzung einer Sportanlage pro Stunde? In Neukölln 116 Euro, in Tempelhof-Schöneberg lediglich 43 Euro. Im landesweiten Durchschnitt sind es 56,73 Euro.

Ein Schulplatz pro Schultag ist vergleichsweise preiswert: Durchschnittlich sind es 10,56 Euro. Friedrichshain-Kreuzberg zahlt dafür 13,42 Euro, Marzahn-Hellersdorf nur 8,61 Euro.

Wer ein Buch, ein Video oder eine CD-ROM in der Bezirksbücherei ausleiht, zahlt für das einzelne Medium nichts. Aber die Bezirke haben Kosten: 1,56 Euro im Schnitt. In Treptow-Köpenick sind es aber 2,02 Euro, während Neukölln mit 1,12 Euro auskommt.

Die Pflege und Reparatur von Straßen ist teuer. Mit 60 Euro pro Quadratmeter liegt Treptow-Köpenick an der Spitze. In Steglitz-Zehlendorf muss das Bezirksamt nur 31 Euro zahlen. Wie diese Kostenunterschiede zustande kommen, verrät die Broschüre nicht.

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