Berlin : Nachhall

Gerd Nowakowski

Im Polizeipräsidium am Flughafen Tempelhof werden die Mitarbeiter jeden Tag daran erinnert, dass ihr Job lebensgefährlich sein kann. Im Erdgeschoss wird in einem Buch der im Dienst getöteten Polizisten gedacht. Die Einträge sind nicht zahlreich – glücklicherweise. Der letzte Eintrag ist knapp drei Jahre alt. Möglich, dass gerade deshalb die Öffentlichkeit von den Schüssen im nächtlichen Neukölln so aufgeschreckt wird. Mit scharfen Waffen wird in dieser Stadt eben immer noch selten geschossen. Doch die Zahl der gewalttätigen Übergriffe auf Beamte ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Die Hemmschwelle sinkt, klagen Polizisten: Da wird geschlagen, der Hund auf die Beamten gehetzt oder auch zugestochen. Beamte werden deshalb auf unverhoffte Attacken besser vorbereitet. Ob mehr geschehen muss, wird zu diskutieren sein. Sicher aber ist, dass auch das beste Training nicht jede Tat vermeiden kann. Am Tag nach der unfassbaren Tat, wenn die Schüsse noch nachhallen, ist es jedoch zu früh für politische Forderungen. Jetzt geht es vor allem um eines: um unser Mitgefühl für die Familie des Polizisten.

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