Berlin : Nachhilfe in Geschichte für die Junge Union

Die JU Reinickendorf hat Che Guevara zu ihrem Mitglied gemacht. Die Führung der Berliner CDU kann darüber nicht lachen

Die Aktion der Jungen Union Reinickendorf, Che Guevara zu einem der ihrigen zu ernennen, findet die Spitze der CDU-Berlin gar nicht witzig. „Che Guevara wollte die sozialistische Revolution, und das will weder die CDU noch die JU“, sagte Gerhard Lawrentz, Generalsekretär der Berliner CDU, dem Tagesspiegel.

„Che wäre heute einer von uns“, hatten die Jungkonservativen aus Reinickendorf auf Postkarten mit Guevaras Konterfei gedruckt. Provozieren wolle man und so für eine bessere Bildungspolitik und mehr Ausbildungsplätze kämpfen, hieß es bei der JU . Diese Art von Provokation findet CDU-Generalsekretär Lawrentz daneben. „Das ist genauso, als ob man nackend ums Reinickendorfer Rathaus rennt und sich mit roter Farbe CDU auf den Hintern malt“, sagte er.

Das bringe zwar eine Menge Aufmerksamkeit, habe aber mit Politik nichts zu tun. Da seien ihm die Methoden eines Philipp Mißfelder lieber. Mit seinen provokativen Thesen zur Rentendebatte habe der Chef der Jungen Union immerhin einen Beitrag zur politischen Diskussion geleistet, mit dem man sich ernsthaft auseinander setzen könne.

Während also die Jusos mit revolutionären Thesen aufwarten, sucht die Reinickendorfer JU offenbar nach einer revolutionären Persönlichkeit für Deutschland. Beim bevorstehenden Umbau der Sozialsysteme könne man einen Revolutionär wie Che Guevara gut gebrauchen, erklärte der Reinickendorfer JU-Vorstand. „Die JU hat wohl nicht richtig nachgeforscht, was für ein Mensch Guevara gewesen ist“, sagt der CDU-Landtagsabgeordnete aus Reinickendorf, Michael Dietmann. Dennoch findet er es legitim, dass die jungen Leute provozieren wollen, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. So denkt auch der Vorsitzende der Jungen Union Berlins, Tim Peters. „Die Reinickendorfer haben mit der Postkarten-Aktion gutes Marketing gemacht“, sagt er. Doch hätte es nicht unbedingt Che Guevara als revolutionäres Vorbild sein müssen: „Arnold Schwarzenegger wäre da besser gewesen, schließlich bringt er seine Gegner nur im Film um.“

Auch die Reinickendorfer JU hat sich nicht immer so für Che erwärmt, wie sie jetzt tut. Guevaras Konterfei sei ein „Symbol, welches in totalitären sozialistischen Staaten verwendet wurde. Deshalb sei es gerade in Anbetracht der deutschen Vergangenheit besonders prekär und verwerflich, solche Symbole zu verwenden“. Diese Einschätzung stammt von Philipp von Hammerstein, der bis vor kurzem Vorstandsmitglied der JU-Reinickendorf war. Aufgeschrieben hat er sie vor drei Jahren, als bei einem Schulstreik ein Lehrer eine Che-Guevara-Fahne hochgehalten hatte. Dass Che jetzt auf roten Postkarten das JU-Kürzel auf der Mütze trägt und seine linke Faust für die Ziele der Junge Union hebt – dazu möchte von Hammerstein, der inzwischen in Bonn studiert, nichts mehr sagen.

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