Berlin : Nachhilfeunterricht für Berlins Schulen

Die Kritik der OECD am Bildungswesen trifft auch die Hauptstadt. Aber auf viele Probleme hat der Senat seit der Pisa-Studie bereits reagiert

Susanne Vieth-Entus

Die OECD-Kritik am deutschen Bildungssystem trifft in weiten Teilen auch auf Berlin zu: Große Grundschulklassen, hohe Kita-Gebühren, wenig Stunden, geringe Ausgaben pro Schüler – all diese Nachteile hat auch das Berliner Bildungssystem. Allerdings wies Bildungssenator Klaus Böger (SPD) darauf hin, dass Berlin als Reaktion auf die Pisa-Studie schon etliche Verbesserungen eingeleitet habe. Zu Berlins Pluspunkten im Bundesvergleich gehört etwa die gute Ausstattung mit Kita-Plätzen. Auch bei Krippen und Ganztagsschulen liegt Berlin an der Spitze.

Auf dem Weg der Besserung ist Berlin beim Unterrichtsangebot. Wegen der Verkürzung des Abiturs auf zwölf Jahre wird ab Klasse 5 mehr Unterricht erteilt, auch in Klasse 2 kam eine Stunde hinzu. Das reicht aber längst nicht, um den Rückstand aufzuholen. Denn Berlin lag bisher immer unter den deutschen Durchschnittswerten, und die wiederum liegen erheblich unter den OECD-Mittelwerten. Deutlich wird das am Beispiel des Unterrichts für die 7- bis 8-Jährigen: Sie bekommen im OECD-Schnitt 788 Stunden pro Jahr, in Deutschland aber nur 626 Stunden. Und davon muss man in Berlin noch rund 80 Stunden abziehen, wenn ein Kind nicht freiwillig am Religionsunterricht teilnimmt. Etwas besser als der deutsche Durchschnitt steht Berlin bei den Ausgaben pro Schüler in allgemein bildenden Schulen da. In Berlin waren das im Jahr 2001 etwa 5500 Euro, bundesweit 4800 Euro.

Dieser Abstand beruht vor allem auf den Mehrausgaben, die durch den hohen Ausländeranteil entstehen und durch die Integration behinderter Kinder. Beide Gruppen bewirken, dass die Klassenverbände etwas kleiner sind als im übrigen Bundesgebiet. Mit 17 Grundschulkindern pro Lehrerin liegt Berlin im OECD-Schnitt. Deutschlandweit sind es 19 Kinder. Allerdings entspricht die Relation 17:1 nicht der tatsächlichen Klassengröße. Berliner Grundschulklassen bestehen aus etwa 22 Kindern. Die Differenz erklärt sich daher, dass tausende Lehrerstellen für Aufgaben wie Schulleitung oder das Management von Modellversuchen gebraucht werden.

Generell gilt für Berlin die OECD-Kritik an Deutschland, wonach Grundschulklassen im Vergleich zu den gymnasialen Oberstufen zu groß sind: Das Berliner Schulsystem leistet sich nach wie vor sehr kleine Leistungskurse. Außerdem mache Berlin wie alle Bundesländer den Fehler, Kita-Gebühren zu erheben.

Berlin müsse endlich die Elternbeiträge abschaffen, fordert FU-Präsident Dieter Lenzen. Lenzen geht davon aus, dass die Bildungsausgaben in Deutschland um 20 Prozent steigen müssten, um internationales Niveau zu erreichen. Die Bildungspolitiker von CDU, Grünen und FDP kritisierten übereinstimmend, dass Böger die Erfahrungen aus der Pisa-Studie nicht konsequent genug umgesetzt habe.

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