Nachkriegszeit : Der Fotograf der Freiheit

Mit seinen Bildern dokumentierte Henry Ries die Berliner Luftbrücke, die den Blick der Welt auf das zerstörte und bedrohte Nachkriegsberlin gezogen haben. Jetzt ehren eine Gedenktafel und eine Ausstellung den Bildjournalisten.

Berliner Luftbrücke
Magere Zeiten. Die Bilder aus der Zeit der Luftbrücke haben sich tief ins Gedächtnis Berlins eingeprägt. Hier fotografierte Ries...Foto: Henry Ries

BerlinHenry Ries’ berühmtestes Foto ist ein Dokument der Berlin-Blockade 1948/49: Eine Gruppe Kinder auf einem Schuttberg, über ihnen ein "Rosinenbomber“ im Landeanflug auf den Flughafen Tempelhof. Die Gedenktafel, die gestern an der Stuckfassade von Ries’ Geburtshaus in der Meinekestr. 12 enthüllt wurde, würdigt das Bild als "Symbol für die Unterstützung der Freiheit West-Berlins durch die USA“.

Kulturstaatssekretär André Schmitz weist in seiner Einleitungsrede darauf hin, dass Ries es geschafft habe, den Blick der Welt auf das "zerstörte und bedrohte Nachkriegsberlin“ zu ziehen. Als "den Fotografen der Luftbrücke“ würdigt der Journalist und Ries-Freund Werner Perger den Fotografen und Autor, der am 22. September 1917 im vierten Stock des Wilmersdorfer Jugendstilbaus zur Welt kam – heute befinden sich hier die Büros der Berliner Aidshilfe.

Als Berliner Junge heißt der Jude Ries noch Heinz mit Vornamen. 1938 flieht er vor den Nazis in die USA, meldet sich freiwillig zur Armee. Als Luftaufklärer wird er in Indien und Japan eingesetzt. 1947 kehrt er als Fotoreporter und Korrespondent der "New York Times“ in seine Geburtsstadt zurück. Henry Ries, so heißt er jetzt, fotografiert Flüchtlinge am zerstörten Anhalter Bahnhof und Bürgermeister Ernst Reuter mit zerschlissener Krawatte. Er reist zu den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen und veröffentlicht Bildreportagen aus Italien, Spanien und Jugoslawien. Und auch wenn Ries 1951 nach New York zurückkehrt, wo er ein eigenes Studio aufbaut und als Werbefotograf Erfolg hat, bleibt Berlin sein "Lebensthema“, erinnert sich Perger. 1999 wird Ries im Berliner Rathaus ehrenhalber zum Professor ernannt. 2004 stirbt er in seinem Haus im US-Bundesstaat New York. Sein Wunsch ist es, auf dem Dahlemer Waldfriedhof beigesetzt zu werden.

Teile von Ries’ Werk lagern in der Berlinischen Galerie und im Landesarchiv, den fotografischen Nachlass hat seine Witwe Wanda dem Deutschen Historischen Museum geschenkt, wo am 11. Juni die Ausstellung "Brennpunkt Berlin“ eröffnet wird. Bis zum 21. September sind dort Ries’ Fotos aus der Luftbrückenzeit wieder zu entdecken. (J.O.)

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