• Nachmittagsandachten für die neue Mitte: Ein Pfarrer denkt über die Nutzung der leeren St. Johannes Evangelist-Kirche nach

Berlin : Nachmittagsandachten für die neue Mitte: Ein Pfarrer denkt über die Nutzung der leeren St. Johannes Evangelist-Kirche nach

Sabine Rietz

Zwischen zwei frisch sanierten Häusern klemmt in der Auguststraße in Mitte die St. Johannes Evangelist-Kirche. Aus rotem Backstein ragt der schmale hohe Giebel in neoromanischem Stil in die Höhe. Doch hinter dem vergitterten Portal findet schon seit Jahrzehnten kein Gottesdienst mehr statt. Stattdessen lagert dort komprimiertes Wissen: 850 000 Dissertationen der Humboldt-Universität füllen den Raum bis unter die Decke. Doch noch in diesem Jahr sollen sämtliche Doktorarbeiten die Kirche verlassen. Die Kirchengemeinde hat das Mietverhältnis, bei dem die Universität nur 50 Pfennig pro Quadratmeter zahlte, gekündigt und überlegt sich nun, wie sie den 500 Quadratmeter großen Raum mitten im touristischen Herzen Berlins nutzen will.

Interessenten, die den 100-jährigen Sakralbau als Comedy-Theater oder Restaurant mieten wollen, gebe es genug, sagt Pfarrer Hartmut Scheel von der zuständigen Sophien-Gemeinde. Damit könnte die Gemeinde monatlich rund 30 000 Mark Miete einnehmen. "Doch die Verlockung, etwas Eigenes zu gestalten, zum Beispiel ein Kirchencafé mit kulturellem Programm, ist groß", so der evangelische Theologe.

Er hat in seiner Gemeinde eine Gruppe interessierter Menschen, darunter Künstler und Wirtschaftsexperten, zusammengetrommelt. Diese sollen nun ein Konzept erarbeiten. Außer dem Verkauf habe der Gemeinderat alles erlaubt, was kein zusätzliches Geld kostet. Ideen für ein Nutzungs-Programm gibt es reichlich, nicht zuletzt von den zunehmend prominenten Gemeindemitgliedern im regierungsnahen Bezirk. Die scheidende Geschäftsführerin des Jugendmusikkanals MTV in Deutschland, Christiane zu Salm, wolle demnächst in seine Gemeinde ziehen, sagt der Pfarrer. Sie habe in einem Brief Lesungen für die evangelischen Jugendlichen angekündigt.

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