Nachnutzung : Tegel soll wie eine Rakete starten

Adlershofer Experten kümmern sich um Nachnutzung des Flughafens Tegel. Ziel ist die Ansiedlung von Industrie und Wissenschaft.

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Check in für Wissenschaft? Der Tegeler Flughafen könnte Standort für Zukunftstechnologie werden. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Check in für Wissenschaft? Der Tegeler Flughafen könnte Standort für Zukunftstechnologie werden. Foto: Kai-Uwe HeinrichFoto: Mike Wolff HF

Erst Tempelhof und nun Tegel – Adlershof soll es richten. Die Stadtentwicklungsverwaltung will die Wista Management GmbH beauftragen, Tegel nach der Aufgabe des Flugbetriebs am 2. Juni 2012 zu einem Gewerbegebiet zu entwickeln. Für Tempelhof hat Wista bereits ein Leitbild entwickelt. Die Erfahrung haben sich die Mitarbeiter in der Wissenschaftsstadt Adlershof geholt, für die Wista seit Jahren erfolgreich Unternehmen bei der Ansiedlung berät.

Der Senat favorisiert für Tegel bisher einen „Forschungs- und Industriepark für Zukunftstechnologien.“ Das Gelände soll nach Plänen von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) das „industrielle Fundament“ der Stadt werden. Trotz vieler unbebauter Flächen fehlen für große – oder laute – Unternehmen zusammenhängende Industrieareale, hatte die CDU bereits 2009 einen ähnlichen Vorstoß begründet.

Beim Vermarkten wolle man auf bewährte und erfahrene Kräfte zurückgreifen, sagte der Sprecher der Stadtentwicklungsverwaltung, Mathias Gille. Einem Vertragsabschluss müssten noch der Senat und das Abgeordnetenhaus zustimmen. Die Vorarbeiten durch den Senat, unter anderem gab es fünf Standortkonferenzen, seien sehr gut gewesen, sagte Wista-Chef Hardy Schmitz, so dass man darauf jetzt aufbauen könne. Im Mittelpunkt werden die sogenannten „Urban Technologies“ stehen, die sich mit den Problemen des Zusammenlebens in Städten beschäftigen – von Abwasserkonzepten bis zu Elektroantrieben. Ziel müsse es sein, die Wirtschaft und die Wissenschaft sowie die Unternehmen zusammenzubringen. Wenn Tegel zu einem gemeinsamen Thema aller Verwaltungen werde, könne man auf dem anfänglichen Raketenversuchsgelände „wie eine Rakete“ starten, ist Schmitz überzeugt.

Die Chancen seien gut, weil das Gelände einfach zu erreichen, stadtnah und doch abgeschieden sei, wie ein Experte sagte. Integriert werden in das Konzept der Zukunft soll auch das bisherige Abfertigungsgebäude, für das dessen Architekt Meinhard von Gerkan schon selbst Nachnutzungsvorschläge entwickelt hat. Ideal seien auch die kleinen Nebengebäude etwa durch Gründerfirmen zu nutzen, sagte Schmitz weiter. Berlin könne sich in Tegel als Stadt der Zukunft mit innovativen Projekten zeigen.

Doch es muss nicht unbedingt nur Industrie sein, was sich in Tegel eines Tages ansiedelt. Ins Gespräch gebracht haben sich auch schon die Technische Universität und die Beuth-Hochschule für Technik aus dem benachbarten Wedding.

In Tempelhof hat Wista die Grobpläne für die Nachnutzung entwickelt, die jetzt von der inzwischen dafür gegründeten landeseigenen Tempelhof Projekt GmbH, bei der auch ehemalige Wista-Mitarbeiter beschäftigt sind, zusammen mit der Grün Berlin GmbH vorangetrieben werden. In Tegel wird die Wista dagegen direkt mit einem Tochterunternehmen aktiv werden. Damit auf eine Ausschreibung verzichtet werden kann, will der Senat die Wista voll übernehmen. Derzeit hält die Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner, zu der private Gesellschafter gehören, noch ein Prozent der Anteile. Klaus Kurpjuweit

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