Berlin : Nachrichten

Die VIPs standen für Horst Köhler Schlange – und waren trotz kleiner Pannen am Ende begeistert

Elisabeth Binder

Um den halben Pariser Platz zu überqueren, braucht man normalerweise kaum zwei Minuten. Der neue Bundespräsident Horst Köhler nahm sich am Samstagabend eine dreiviertel Stunde Zeit. Immer wieder gab er Autogramme, ließ sich fürs Familienalbum fotografieren, zum Beispiel mit dem Bäcker von Baiersbronn. Seine Begleiter, eigentlich darauf spezialisiert, ihm rasch, diskret und effizient den Weg zu bahnen, hüllten ihr Erstaunen in verständnisvolles Lächeln.

Es war ja sowieso ein Abend der Wunder gewesen, und die hatte die erst Mitte Mai als Idee geborene Veranstaltung auch dringend nötig. Angesichts plötzlich verschwundener Platzkarten, mutwillig ausgetauschter Tischkarten (sogar für den Präsidenten vorgesehene Plätze waren betroffen) und langer VIP-Schlangen am Eingang hatten erfahrene Berliner Partygänger wie MoMA-Initiator Peter Raue zunächst mit einem neuen Beitrag zur Chaosforschung gerechnet.

Doch dann malten die sonst so kapriziösen Wettermächte einen makellos blauen Himmel über das golden leuchtende Brandenburger Tor. Der Regierende Bürgermeister hat zum rituellen Tor-Gang gemeinsam mit dem Bundespräsidenten-Paar seinen Lebenspartner mitgebracht – und damit allen denkbaren Assoziationen an vergangenen Pomp diskret entgegengehalten, dass sich seit Kaisers Zeiten vieles geändert hat. Dass sich die Zeiten weiter ändern müssen, davon vor allem handelte der Abend, der eine riesige Sehnsucht nach positivem Denken offenbarte, nach diesem amerikanischen Geist des „Alles ist möglich“.

Anfangs saß der Bundespräsident unter anderem mit Talk-Ikone Sabine Christiansen, US-Botschafter Dan Coats und seiner Frau Marsha Ann zusammen, die ganz überrascht war, dass dies die erste große Party zur Amtseinführung eines neuen Präsidenten war.

Harald Wohlfahrt, der als Deutschlands bester Koch ein Perfektionsgenie qua Berufung ist, bezeichnete es schlicht als Ehre, für 1400 Leute und einen Präsidenten Eintopf kochen zu dürfen. Den bereitete er aber auch unschlagbar gut. Vielleicht verbarg sich in dieser unkompliziert-uneitlen Einstellung der Innovationsfunke, der in vielen Toasts so heftig beschworen wurde: „Wir feiern die Freiheit, die wir haben: Uns selbst eine bessere Zukunft zu schaffen“, prostete Paul Nolte von der Internationalen Universität Bremen.

Liz Mohn hatte den Reigen der Wünsche begonnen: „Die Zukunft gehört nicht den Selbstzweiflern. Die Zukunft gehört denen, die sich etwas zutrauen und zumuten.“ Für die Werkstatt Berlin und Frauen wie Marie-Luise Weinberger, die so eine neuartige Veranstaltung mit aller dazu zwingend notwendigen Unbefangenheit einfach stemmen, regnet es zur Belohnung statt Wassertropfen dann rasch mal ein paar Wunder vom Himmel. Und so zählte nach den anfänglichen Chaosfallen am Ende doch die allgemeine Zufriedenheit.

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