Berlin : Nachrichten

Auch sanierte Platten stehen leer, müssen also nicht teurer werden: Ortstermin Marzahn

Sandra Dassler

Leises Kinderlachen dringt vom hinter grünen Bäumen versteckten Spielplatz, aber kein Mensch ist zu sehen – am Geraer Ring in Marzahn herrscht sonntägliche Mittagsruhe. Im Erdgeschoss eines fünfstöckigen Plattenbaus öffnet Katrin Zimmermann leise die Balkontür. Ob heute jemand kommt? Die 22-Jährige arbeitet für die Wohnungsgesellschaft Helle Aue, die seit kurzem Sonntagsbesichtigungen für Wohnungssuchende anbietet. „Wir wissen noch nicht, ob sich das lohnt, aber es werden immer mehr Interessenten“, sagt sie. Und wartet auf potenzielle Mieter.

Mit ihr wartet eine 69 Quadratmeter große Drei-Zimmer-Wohnung. Vor vier Jahren wurde sie saniert, seither hat niemand die sauberen Teppichböden, das neue Bad und den Balkon genutzt. 316 Euro kostet die Wohnung kalt, warm 471. Inklusive Reinigung, Müll, Stellplatz.

Es klingelt. Die 47-jährige Reina Blohm, die in einem Nachwende-Neubau ebenfalls in Marzahn wohnt, will die jährlich steigende Miete dort nicht mehr zahlen. Einen Zollstock hat sie mitgebracht. Und ihren 15-jährigen Sohn Philipp. Der hat kein Problem mit dem Umzug in die Platte. „Fast alle meine Klassenkameraden wohnen hier.“ Reina Blohm findet das „Preis-Leistungs-Verhältnis“ in Ordnung und sieht sich noch eine ähnliche, sonnigere Wohnung im vierten Stock an.

Es sind nicht mehr viele Wohnungen, die am Geraer Ring leer stehen. „Die Platte ist besser als ihr Ruf, und das wissen inzwischen nicht nur Ossis“, sagt Katrin Zimmermann. Auch eingefleischte Westberliner seien schon hier eingezogen, weil sie im Osten Arbeit bekamen oder ihnen die Mieten für die Altbauten im Westteil zu teuer wurden, erzählt sie.

Kai Müller schaut sich eine Ein-Zimer-Wohnung für 215 Euro warm an. Er hat in Bielefeld die Ausbildung beendet: „Endlich kann ich zurück, in Marzahn bin ich zuhause“, sagt der 20-Jährige. „Mucke“, ein Bauarbeiter, pflichtet ihm bei: „Im Prenzlauer Berg würd’ ich mich nicht wohl fühlen. Wozu brauch ich ’ne Eckkneipe? Trink’ mein Bier lieber auf dem Balkon.“ „Mucke“ wohnt seit vier Jahren hier und noch nie wurde die Miete erhöht. „Das haben wir auch nicht vor“, sagt Brigitte Zimmermann. Und empfängt noch einen Interessenten.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar