Berlin : Nachrichten

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Töpfer ist 67. Aber was heißt das schon? Er verkraftet den dauernden Reisestress, das Klima in Nairobi – und Richard von Weizsäcker, sein möglicher Vorvorvorgänger, war 61, als er Regierender Bürgermeister wurde. In Zeiten des demographischen Wandels und des stetig steigenden Durchschnittsalters wäre ein Regierender von 68 Jahren nachgerade zeitgemäß.

Töpfer wirkte in seinen Zeiten als Bundesbauminister wie einer, der gern in Berlin unterwegs ist und arbeitet – gerade als Westdeutscher, dessen Heimat das Saarland war. Aber jetzt? Er hat weit mehr Jahre in Nairobi als in Berlin verbracht und angeblich mochte er an dem UN–Job nicht zuletzt das ständige Unterwegssein.

Weltweit wahrnehmbar, aber schwer zu messen. Töpfer hat der Union die Umwelt nahe gebracht. Unvergessen: der Minister, der im Rhein schwamm. Er hat Berlin zur Hauptstadt gemacht – ohne baupolitische Gewalttaten, dafür rasch und entschieden.UNUmweltpolitik besteht vermutlich im autoritätsgestützten Verbreiten kluger Gedanken – etwa zum Klimawandel.

Die schwarz-gelben Zeiten unter Helmut Kohl haben ihn geprägt. Liberal scheint aber für Töpfer eher eine Lebenseinstellung als eine politische Farbe zu sein. In der Union gehörte er nicht zu jenen, deren Konservatismus dem Grafen Lambsdorff gefallen haben könnte. Jetzt trauen manche dem umweltbewussten Konservativen schwarz-grüne Modellversuche zu.

Erst das Umwelt-, dann das Bauministerium – Töpfer dürfte sich bestens mit Verwaltungswegen auskennen. Allerdings hat er nie den Eindruck gemacht, als mache ihm Verwaltung Spaß. In Berlin hat er es geschafft, komplizierte Dinge einfach zu machen. Das schaffte er sogar im Umgang mit Ostdeutschen bei Fragen wie dem „Sachenrechtsbereinigungsgesetz“.

Töpfer gehört zum Polit-Jetset. Doch wenn dessen Mitglieder sich ständig in irgendwelchen Metropolen zu Konferenzen treffen, geht davon allenfalls mittelbare Wirkung aus. Aber die Lebensqualität in Metropolen, die Verstädterung des blauen Planeten sind Themen, die dank Töpfer auch ins Bewusstsein jener Bürger drangen, die nicht zu solchen Konferenzen gehen.

Es wäre interessant, von Töpfer zu hören, wie er sich die Zukunft der nicht so riesig großen Metropole Berlin vorstellt. Der Mann hat so viele Chaos-Städte gesehen, dass er vermutlich sehr genau weiß, was man städtebaulich, wirtschaftlich, verkehrsmäßig im Blick behalten muss. Aber was das für Berlin in der Praxis bedeuten könnte, hat er noch nicht gesagt.

Wie Wowereit wirkt Töpfer unarrogant, jovial, freundlich, lebensfroh. Auch er pflegt diesen politischen Stil, bei dem die Leute weniger an Macht und Kälte als an vernünftige Ideen denken – über die der nette Mann da vorne gerade spricht. Und gerade hat er auch noch ein Bier bestellt, weil seine Kehle so trocken ist...

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