Berlin : Nachrichten

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Wowereit ist 51. Er wird zwar zusehends grauer, wirkt aber noch immer einigermaßen unangestrengt. Mit überraschender Disziplin unterzieht er sich gelegentlich Abmagerungskuren. Außerdem spielt er richtig gerne Golf.

Stark ausgeprägt – Wowereit ist in Berlin geboren, hat in Berlin Juristerei und Politik gelernt und Karriere gemacht. Vermutlich reist der Regierende besonders gern, um mal etwas anderes als Berlin zu sehen.

Kann man nicht meckern. Wowereit hat den Berlinern klar gemacht, dass die Stadt eisern sparen muss. Er hat den Beamten klar gemacht, dass ihre berufliche Sicherheit einen geldwerten Vorteil darstellt, sie deshalb mehr arbeiten müssen, ohne mehr zu verdienen. Aber er hat den Deutschen nicht klar gemacht, dass sie für ihre Hauptstadt mehr Geld ausgeben sollen.

Der Machtmensch Wowereit würde wohl jede große Koalition als ein zu sprengendes Objekt betrachten. Er hat zermürbende Verhandlungskondition, kann zocken und hat durchaus einen idealistischen Zug. Also führt er die Linkspartei am Nasenring und könnte das mit den Grünen. Wowereit und die FDP? Eher würden alle Beteiligten privatisieren.

Sehr stark ausgeprägt. Doch scheint das Leben in Stadtrat- und Bürgermeisterstrukturen Wowereit nicht missfallen zu haben. Dass Berlin noch viel zu bürokratisch verwaltet wird, lässt den Regierenden kalt. Er hat für das Thema nicht mal Spott übrig. Unter ihm funktioniert die Bürokratie bis zur Grußwortendkontrolle – das reicht ihm zum Regieren.

Er hat es immerhin schon auf die Titelseite von „Time Magazine“ gebracht – das garantiert weltweite Prominenz im Kreise derer, die große Städte regieren. Seine Ausgehfreude ist bekannt – Kollegen, die ihre Städte zu jeder Tages- und Nachtzeit gerne vorführen, dürften in Wowereit einen dankbaren und Lebensfreude verbreitenden Gast haben.

Als Visionär und Ideenausbrüter hat sich Wowereit bislang noch nicht hervorgetan. Innovativ war nur sein Umgang mit dem öffentlichen Dienst. Ansonsten ist er ein Politpragmatiker, der genau hinsieht, was geht, bevor er sich eine Idee zu eigen macht. Klug vermeidet er konfliktträchtige Themen, die zu nachhaltigen Schäden an seinem bohemienhaften Image führen können.

Es gibt viele, die finden Wowereit klasse. Weil er so unarrogant wirkt. Weil er sich auf Streit bei Christiansen genauso einlassen kann wie auf das Publikum beim Christopher Street Day. Weil er Spaß an der Stadt hat und Spaß verbreitet. Wowereits Gesicht sagt: In Berlin macht das Leben Freude. Andere halten ihn für unernst und oberflächlich.

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