Berlin : Nachrichten

Michael Mara

GISELA VON DER AUE

Bedenkzeit hat sie nicht gebraucht, als vergangene Woche der Anruf von Klaus Wowereit kam: „Ein solches Angebot kann man nicht ausschlagen“, sagt Gisela von der Aue, die sich auf ihren neuen Job in Berlin freut. Zumal es eine Premiere ist, dass eine Brandenburger Landesbedienstete Senatorin in Berlin wird. Das hat vor ihr bisher niemand geschafft.

Aber für die 57-jährige bisherige Präsidentin des Brandenburger Landesrechnungshofes, die 2002 schon einmal als Finanzsenatorin in der engeren Wahl war, ist Berlin kein Neuland. Im Gegenteil, von der Aue kennt die Verhältnisse in der Hauptstadt gut. Nicht nur, weil die Mutter dreier Kinder mit ihrer Familie im grünen Waidmannslust in Reinickendorf lebt. Die an der dänischen Grenze im schleswig-holsteinischen Westre Geborene kam schon 1968 nach Berlin, studierte an der Freien Universität Jura. Im gleichen Jahr trat sie der SPD bei. Nach dem zweiten Staatsexamen 1978 blieb sie in der Stadt. Stationen ihrer Verwaltungskarriere waren die Senatsverwaltungen für Inneres und Bildung, das Rechtsamt Reinickendorf. 1980 wechselte sie in den Ausschussdienst und 1986 in den wissenschaftlichen Dienst des Abgeordnetenhauses. Dem politischen Berlin ist sie gewissermaßen auch familiär verbunden: Ihr Mann Hartmann von der Aue ist Verwaltungsdirektor des Abgeordnetenhauses.

Die kleine und zierliche Frau, die 1994 zur SPD-Fraktion nach Brandenburg wechselte, 1996 Direktorin und 1998 Präsidentin des Landesrechnungshofs wurde – übrigens mit Stimmen von SPD und PDS –, gilt als ehrgeizig und machtbewusst. Dass sie Konsequenz und Härte zeigen kann, hat von der Aue spätestens bewiesen, als sie 2002 Strafanzeige gegen ihren Vizepräsidenten Arnulf Hülsmann wegen Manipulationen von Reisekostenabrechnungen stellte. Den bisweilen erhobenen Vorwurf, sie wolle sich eines Konkurrenten entledigen, konterte sie immer kühl: Sie tue nur ihre Pflicht, man dürfe so etwas nicht unter den Teppich kehren. Jüngst konnte sich von der Aue bestätigt sehen: Der Bundesgerichtshof hob einen fragwürdigen und fehlerhaften Freispruch Hülsmanns durch das Potsdamer Landgericht auf.

Im Rechnungshof selbst war von der Aue nicht unumstritten: Kritiker rügen ihren Führungsstil als zu autoritär. Von der Aue hört das nicht gern, aber dass sie eine strenge Präsidentin war, bestreitet sie nicht. Und auch nicht, dass sie zur Perfektion neigt: Prüfberichte ihres Hofes hat sie oft zurückgewiesen, wenn Sachverhalte unklar dargestellt waren. „Alles,was mit Gesetzen zu tun hat, muss präzise sein“, sagt sie. Ihre Konsequenz hat ihr in der Landesregierung nicht gerade Freunde eingebracht, zumal sie auch in der Trennungsgeld-Affäre um unrechtmäßige Entschädigungen für getrennten Wohn- und Arbeitsort an Landesbedienstete umfangreiche eigene Prüfungen vornahm und schwere Versäumnisse rügte. Als Präsidentin setzte sie durchaus eigene Akzente: Sie prangerte eher grundsätzliche, strukturelle Defizite in Landesbehörden als medial wirksame Einzelfälle von Verschwendung an.

Von der Aue ist sich bewusst, dass die neue Aufgabe angesichts der Berliner Finanzkrise alles andere als leicht sein wird. Sie will Sorge tragen, dass in den Gefängnissen nicht zu viel Personal abgebaut wird. Die designierte Justizsenatorin, die eine vehemente Befürworterin der Länderfusion ist und sich mit den Finanzen beider Länder auskennt, sieht die Folgen des Urteils von Karlsruhe für Berlin kritisch: „Ich glaube nicht, dass sich die Stadt aus eigener Kraft aus der Schuldenfalle befreien kann.“

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