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ERNST

Die Internetseite www.ernst-baer.de ist noch frei – und das wird sie wohl auch bleiben. Dabei hätte nicht nur Knut eine Fangemeinde verdient: Auf der Rückseite des Eisbärengeheges, da, wo keine Kinder schreien und keine Besucher Schlange stehen, lebt der kleine Malaienbär Ernst.

Drei Monate ist er alt, einen jünger als Knut, und er kann alles, was der Eisbär kann: herumtollen, über die eigenen Füße stolpern, Pfleger ärgern. Nur sieht er dabei nicht ganz so niedlich aus wie Knut. Und er muss nicht mit der Flasche aufgezogen werden. Mutter Maika hat ihn nach der Geburt nicht verstoßen.

Kein Kindchenschema und eine glückliche Kindheit – sind das die Gründe, warum die Zoobesucher den kleinen Ernst bisher weitgehend ignorieren? Nein, sagt Zoosprecher Ragnar Kühne. Es fehle einfach die Medienunterstützung: die vielen Zeitungsartikel und Fernsehberichte, die Knut zum Star gemacht, ihn popularitätstechnisch „in eine andere Liga katapultiert“ hätten. So bleibe Ernst ein normales Bärenjunges und das bekomme im Zoo traditionell nur mittelmäßig viel Beachtung, sagt Kühne. Also weniger als ein Elefantenbaby, aber immerhin mehr als Antilopennachwuchs.

Dabei gebe es eigentlich genug Gründe, vor Ernsts Gehege stehen zu bleiben: Malaienbären sind selten, nur 120 leben weltweit in Zoos, dreimal weniger als Eisbären. Und dann ist da Ernsts unglaublich lange Zunge. Die hat er, weil Malaienbären in der freien Wildbahn Bienennester plündern. Im Zoo versuchen die Pfleger das zumindest zu simulieren, indem sie Honig in Baumritzen schmieren.

Ernsts Pfleger ist übrigens Thomas Dörflein, derselbe, der sich auch um Knut kümmert. Dörflein war es auch, der dem Malaienbären seinen Namen gab. Weil der angeblich immer so ernst schaut. Eine glatte Fehleinschätzung, sagt Zoosprecher Kühne. Ernst sei ein sehr lebendiger und verspielter Bär.

Jeden Tag ab 14 Uhr darf er für ein paar Stunden ins Außengehege, vorher ist es zu kalt, Malaienbären leben eigentlich in Südostasien und sind tropische Temperaturen gewöhnt.

Manchmal kommen Besucher und fragen, ob man beide Kleinbären nicht zusammen spielen lassen könne. Das wäre doch bestimmt niedlich, oder? Für Ernst wäre das eher tödlich, sagt Kühne. Weil Knut gerade – seinem Eisbärennaturell entsprechend – spielerisch das Raufen und Jagen lernt und Ernst lieber klettern will als kämpfen. Zudem ist er einen Kopf kleiner als Knut.

So wird Ernst wohl auch weiterhin wenig Aufmerksamkeit bekommen. Aber nicht schlimm, Hauptsache ist, die Familie ist intakt. Diesen Sommer, sobald er ein bisschen kräftiger ist, soll Ernst seinen Vater kennenlernen. Der heißt Bhumibol und lebt derzeit im Nachbargehege.

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