Berlin : Nachspielzeit auf Kredit

Potsdams Fußballklub SV Babelsberg 03 ist dank der Finanzspritze der Stadt vor der Pleite gerettet – bis auf Weiteres

Sabine Schicketanz
Teures Spiel. Der SV Babelsberg 03 muss jährlich 260 000 Euro allein für den Betrieb des Stadions aufbringen. Foto: dpa/Settnik
Teures Spiel. Der SV Babelsberg 03 muss jährlich 260 000 Euro allein für den Betrieb des Stadions aufbringen. Foto: dpa/SettnikFoto: dpa

Der Potsdamer Fußballklub SV Babelsberg 03 hat die Affären-Krise offenbar bis auf Weiteres überstanden: Die Insolvenz ist abgewendet, der Etat für die kommende Saison in der dritten Fußball-Liga gesichert. Während der neue Klubchef Thomas Bastian, eigentlich Betreiber eines Babelsberger Arthouse-Kiez-Kinos, den Verein mitten im Neuanfang sieht, bleiben Kritiker skeptisch. Kann die städtische Finanzspritze von 700 000 Euro und die 1,4-Millionen-Euro-Bürgschaft der Deutschen Kreditbank (DKB) den Klub tatsächlich dauerhaft retten? Oder ist die Krise nur aufgeschoben, aber nicht aufgehoben?

Bevor das Potsdamer Stadtparlament den „Rettungsring“ für den SV Babelsberg am vergangenen Mittwochabend absegnete, hatte FDP-Fraktionschefin Martina Engel-Fürstberger daran erinnert, dass der Drittligist offensichtlich bereits in den Vorjahren finanziell labil gewesen sei. Daher sei nicht ausgeschlossen, dass die Stadt ihr Geld „verbrennt“, warnte die Liberale. Klar ist, dass der Verein bereits in den Jahren 2009 und 2010 Bürgschaften von insgesamt einer Million Euro benötigte, um vom Deutschen Fußball-Bund die Spiellizenz zu erhalten. Diese Sicherheiten hat nach Angaben des Potsdamer Oberbürgermeisters Jann Jakobs (SPD) Ex-Stadtwerkechef Peter Paffhausen ohne Zustimmung aller Aufsichtsgremien erteilt; gegen Paffhausen, der auch Aufsichtsratschef des Fußballvereins war, ermittelt daher die Potsdamer Staatsanwaltschaft. Doch egal, ob sich der Untreueverdacht in diesem Zusammenhang bestätigt – Geld der kommunalen Stadtwerke wird wohl bald an den SV Babelsberg fließen müssen: Da der Verein das jüngste Etatloch durch Sponsoren und Einnahmen nicht ganz stopfen konnte, müsse die Bürgschaft gezogen werden. 200 000 Euro, hieß es zuletzt, würden fällig.

Dabei fließt bereits jede Menge Geld in den Klub. Jährlich überweist die Stadt pauschal 150 000 Euro, dazu sollen dieses Jahr weitere 250 000 Euro kommen, um die Flutlichtanlage zu reparieren. Kaputtgegangen war sie offensichtlich auch wegen mangelnder Wartung; eine Schadenersatzklage sei anhängig, so die städtische Sportbeigeordnete.

Im vergangenen Jahr entschied das Stadtparlament, das Babelsberger KarlLiebknecht-Stadion für acht Millionen Euro zu sanieren. 800 000 Euro brachte die Stadt auf, 7,2 Millionen Euro trägt der Bund. Die Auftragsvergabe der laufenden Sanierung beanstandete jüngst der brandenburgische Landesrechnungshof: So soll die Projektsteuerung ohne Ausschreibung an die Stadtwerke-Tochter „Energie und Wasser Potsdam“ (EWP) gegangen sein. Deren damaliger Chef: Babelsberg-03-Aufsichtsratschef Paffhausen. Die Stadtverwaltung hat zu den Vorwürfen des Rechnungshofs Stellung genommen – sie sieht keine Unregelmäßigkeiten und verweist darauf, dass eine Kanzlei die Auftragsvergabe begleitet habe.

Es ist nicht die erste Krise: Bereits 2003 musste der Verein Insolvenz anmelden, auch damals gab es politische Turbulenzen: Vereinspräsident Detlef Kaminski (SPD) war über die Baufilz-Affäre gestürzt. Landeschef Matthias Platzeck (SPD) schickte seinen damaligen Staatskanzleichef Rainer Speer als Retter an die Vereinsspitze; vorige Woche trat Speer als „Nulldrei“-Präsident zurück. Noch heute muss der Verein von damals 870 000 Euro eines Kredits in Höhe von einer Million Euro abzahlen. Voraussetzung war, dass die Stadt dem Klub das Stadion in Erbpacht überschreibt. Für den Betrieb des Stadions, das auch der Frauenfußball-Bundesligist Turbine Potsdam nutzt, muss der Klub jährlich rund 260 000 Euro aufbringen. Verbindlichkeiten, die im Fall einer Pleite des SV Babelsberg 03 die Stadt Potsdam tragen müsste. Sabine Schicketanz

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