Berlin : Nachtflug

Premiere im Varieté Wintergarten

Constance Frey

Drei Keulen – das ist schon mal ein Anfang, wenngleich kaum spektakulär. Claudius Specht jongliert zuerst frontal zum Publikum, läuft dann über die Bühne, die silbernen Dinger immer in Bewegung, macht eine Rolle vorwärts, dreht Pirouetten, jongliert über den Rücken, zwischen den Beinen hindurch. Es werden immer mehr Keulen, schließlich sind es sieben Glitzerkörper, die durch die Luft wirbeln. Das ist Spitze und wurde zu Recht 2003 mit dem Internationalen Varietépreis prämiert.

Der Schweizer Künstler ist eine der acht Nummern, die für die neue Show „Nachts!“ im Wintergarten eingekauft wurden. Freitagabend hatte die Inszenierung Premiere. Passend zum Motto hat Regisseur Stefan Warmuth auf junge Künstler gesetzt, die mit ihren Kunststücken einen Bezug zum Thema haben. Bei Claudius Specht ist es das Spiel mit dem Licht, wenn der Scheinwerfer auf der sonst dunklen Bühne nur die silbernen Objekte anstrahlt, die sich um die eigene Achse in der Luft drehen. Bei anderen Formationen sind es Kostüme, Stil der Akrobatik oder die Musik. Nightflight nennen sich beispielsweise zwei Frauen, die zu sphärischer Musik an Seilen silbern glitzernd Richtung Saaldecke schweben. Nachts sind alle Katzen grau? Nicht im Wintergarten.

Drei Tage Zeit hat sich der Regisseur für die Proben genommen, um mit dem Ensemble kleine Zwischenstücke einzustudieren. Für einige der Künstler war es eine Umstellung, mit dem Hausorchester zu arbeiten, die meisten reisen mit eigenem Musikprogramm in der Tasche von Auftritt zu Auftritt. Mit einer Ausnahme konnte das neunköpfige Musikensemble, neben der nächtlichen Kulisse auf der Bühne platziert, die Tonbänder ersetzen.

Der Fotograf Jan K. Tyrel hat Aufnahmen für das Bühnenbild beigesteuert. Er fotografiert fast ausschließlich zwischen Einbruch der Dämmerung und dem Morgengrauen. „Nachts gibt es in Berlin Orte, die aussehen, wie aus den zwanziger oder dreißiger Jahren“, sagt er. Für ihn bedeutet es einen Schritt zurück in die Welt der Künstler. In seinen ersten Jahren als Fotograf hat er oft Artisten porträtiert oder mit ihnen gearbeitet. Damals mischte ihm zum Beispiel eine gewisse Anna R. Entwicklungslösungen für seine Dunkelkammer – Fotolaborantin und noch nicht Sängerin von Rosenstolz.

„Nachts!“, bis 22. Oktober, Mo bis Fr 20 Uhr, Sa 17 und 21 Uhr, So 18 Uhr, Karten 17 bis 57 Euro unter Tel. 25008888 oder www.wintergarten-variete.de.

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