Berlin : Nachtkind und Wolkenkratzer-Kapitän

Sie arbeiten im 160 Meter hohen Hotel: Croupier Melanie Jaskula und Hotel-Direktor Jürgen Gangl Das sind ihre Lieblingsplätze: der 37. Stock im Spielkasino und die neue Dachterrasse. Welch ein Ausblick!

Daniela Martens

Ein Kind der Nacht muss man schon sein als Croupier. Erst um drei Uhr morgens ist Feierabend im Westspiel Kasino im 37. Stock des Park- Inn-Hotels gegenüber dem Alex. Einer der Gründe, warum sich Melanie Jaskula vor sechs Jahren im Kasino bewarb. „Ich war schon immer nachtaktiv“, sagt die 31-Jährige. Außerdem spielt sie gern – allerdings eher Monopoly als Roulette. „Junge Damen bis 25“ wurden damals für den Black-Jack-Tisch gesucht. Kurz vor ihrem 26. Geburtstag lernte die Einzelhandelskauffrau also um. Sie wurde „Dealerin“. So nennt man die Kartengeberinnen beim Black-Jack.

Inzwischen kann sie viel mehr: Sie hat fast alles drauf, was man als Croupier wissen muss. Als „Dreher“ und „Kopf-Croupier“ steht sie am Roulettetisch – am großen „französischen“ und am kleineren „amerikanischen“. Immer hat Melanie Jaskula ein kleines Lächeln auf dem Gesicht. Und das, obwohl sie auch bei Hitze Krawatte und ein schwarzes Sakko tragen muss – wie die anderen 48 Croupiers des Kasinos auch. Nur acht von ihnen sind Frauen. „Aber wir sind dabei, die Männerdomäne zu erobern“, sagt Melanie Jaskula.

Mit Zahlen muss man’s außerdem haben. Melanie Jaskula fand es nicht schwer, sich die Reihenfolge der Zahlen im Roulette-Kessel zu merken. Sie sind nicht aufeinanderfolgend von 1 bis 36 angeordnet, sondern durcheinander. Sie weiß, dass die Gäste nicht nur auf einzelne Zahlen setzen können, sondern auch auf Zahlen-Serien mit französischen Namen – wie etwa die acht „Orphelins“, zu deutsch „Waisenkinder“.

Bei der Arbeit müssen sich die Croupiers sehr auf das Spiel konzentrieren. Deshalb arbeiten sie immer nur eine Stunde am Stück, gefolgt von 15 Minuten Pause. Das lässt der Frau aus Lichtenberg immer einen Moment Zeit, auch mal den Blick aus dem 37. Stock zu genießen. „Die Aussicht ist beinahe das Beste an meiner Arbeit, vor allem wenn ein roter Vollmond oder schwarze Gewitterwolken am Himmel stehen.“

Ein idealer Job, findet Melanie. Auch wenn sie im Winter wegen ihrer Arbeitszeiten kaum das Tageslicht sieht. Nur eines stört das Nachtkind manchmal: Wenn ihre Schicht vor Einbruch der Dunkelheit beginnt. „Das passt einfach nicht, im Kasino zu arbeiten, solange es noch hell ist.

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