Berlin : Nachts mit reduzierter Kraft

Das neue Einsatzkonzept der Feuerwehr tritt zum 1. Februar in Kraft

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Die Berliner Feuerwehr will ab Freitag ihr neues Einsatzkonzept umsetzen. Ziel der wohl umfassendsten Reorganisation seit 1990 sei es, die Feuerwehrleute und ihre Einsatzfahrzeuge im Stadtgebiet besser zu verteilen, sagte Landesbranddirektor Wilfried Gräfling am Dienstag. Das sogenannte „Einsatzkonzept 06“ sieht unter anderem vor, die Zahl der Standorte von 64 auf 67 zu erhöhen. Zudem sollen die Feuerwachen in den Außenbezirken besser ausgestattet werden. Dies bedeutet aber auch, dass in der Innenstadt – wo es besonders viele Einsätze gibt – Fahrzeuge abgezogen werden müssen.

Tagsüber wird künftig mehr Personal im Einsatz sein, nachts jedoch weniger. Während derzeit rund um die Uhr 573 Mitarbeiter im Einsatz sind, sollen ab 1. Februar tagsüber 602 Kräfte arbeiten, nachts aber nur noch 540. An den im Jahr 2003 mit dem Senat vereinbarten „Schutzzielen“ werde sich nichts ändern, sagte Gräfling. Das heißt unter anderem, dass die Feuerwehr und die Rettungswagen nach einem Notruf künftig genauso schnell beim Einsatzort eintreffen sollen.

Reduziert wird auch die Zahl der Fahrzeuge. Statt 62 Löschfahrzeugen werden im Schnitt noch 47,5 im Einsatz sein. Die Zahl der im Tagesverlauf eingesetzten Rettungswagen reduziert sich von 91 auf 79. Vorgesehen ist im Gegenzug eine Erhöhung der notarztbesetzten Fahrzeuge inklusive des Rettungshubschraubers von 16 auf 19.

Gleichzeitig wird laut Landesbranddirektor bei der Feuerwehr der Springerbetrieb abgeschafft. Die Löschfahrzeuge sowie Rettungswagen haben künftig feste Besatzungen und stehen damit auch parallel zur Verfügung. Bislang konnte es vorkommen, dass ein Rettungswagen nicht ausrücken konnte, weil dessen Besatzung irgendwo einen Keller leerpumpen musste. Insgesamt bedeute das neue Konzept eine „Qualitätssteigerung“ für die Bevölkerung, sagte Gräfling.

Notwendig wurde das neue Einsatzkonzept durch die neue EU-Arbeitszeitrichtlinie. Die Dienstzeit der Feuerwehrleute wird wie vorgeschrieben von 55 auf 48 Stunden pro Woche reduziert.

Kritik kam von der Gewerkschaft der Polizei (GdP), die auch die Feuerwehrleute vertritt. Das neue Konzept und der dramatische Personalmangel „gefährden Leben und Gesundheit von Menschen“, teilte die GdP mit. Die Gewerkschaft forderte erneut mehr Personal. (mit ddp)

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