• Nachtstreifen für die BVG sind dem Senat kein Geld wert Ob Hamburg, Bayern oder Hessen: Andere Bundesländer geben Zuschüsse

Berlin : Nachtstreifen für die BVG sind dem Senat kein Geld wert Ob Hamburg, Bayern oder Hessen: Andere Bundesländer geben Zuschüsse

für die Sicherheit der Fahrgäste in U- und S-Bahnen – mit messbarem Erfolg

Klaus Kurpjuweit

Ein Plan des neuen BVG-Chefs Andreas Sturmowski bleibt in Berlin wohl unerfüllt: Wachleute in Uniform, die abends und nachts in U-Bahn-Zügen mitfahren und den Fahrgästen ein Gefühl der Sicherheit vermitteln. „Zusätzliches Geld für dieses Angebot wird es vom Land nicht geben“, sagte Petra Rohland, Sprecherin der Stadtentwicklungsverwaltung. Wachleute in den Zügen sind anderswo nur möglich, weil die Landesregierungen den Service mitfinanzieren. Berlin aber spart lieber. BVG und S-Bahn müssen ihren Wachschutz aus einem Etat finanzieren, der auf Jahre festgezurrt ist.

Überzählige Mitarbeiter aus der Verwaltung in den Bereich Sicherheit zu versetzen, fällt dem Vorstand schwer. Kaum einer der Angestellten ist zu einer Umschulung bereit. In Hamburg dagegen sind die etwa 200 Mitarbeiter der Hochbahn-Wache nach Angaben von Hochbahn-Sprecher Andreas Ernst abends und an Wochenenden besonders häufig in den Zügen unterwegs. „Die Fahrgäste fühlen sich einfach sicherer, wenn sie sehen, dass sie von Mitarbeitern der Wache begleitet werden“, sagt Ernst. Zur Hochbahn-Wache gehören rund 100 Fahrausweisprüfer und zwölf Spezialisten für besondere Delikte. Etwa 15 Millionen Euro lässt sich die Hochbahn die eigene Wache im Jahr nach Angaben von Ernst kosten; rund fünf Millionen Euro steuert der Senat der Hansestadt zweckgebunden bei.

Solche zweckgebundenen Zuschüsse für die Sicherheit gibt es unter anderem auch in Bayern und Hessen. Während die Mitarbeiter der U-Bahn in München nachts „verstärkt präsent“ sind, wie ein Sprecher es formuliert, fahren in S-Bahnen auf den Strecken im Umland nach 21 Uhr in jedem Zug generell zwei Wachleute mit. Der bayerischen Landesregierung sei man dankbar für die finanzielle Unterstützung, denn eigenwirtschaftlich sei es nicht möglich, ein solches Angebot zu machen, sagt Bahnsprecher Ingo Schüttke.

Auch in Frankfurt (Main) fahren nach 21 Uhr Wachleute in den S-Bahnen mit. Sie befinden sich stets im Wagen ganz vorne im Zug, um jederzeit mit dem Fahrer Kontakt aufnehmen zu können. Bestellt hat diesen Dienst der Verkehrsverbund Rhein-Main, der auch einen Teil der Kosten übernimmt.

Vorübergehend hat in Berlin die S-Bahn ebenfalls nachts Wachleute mitfahren lassen – eine Reaktion auf besonders schlimme Fälle, bei denen Fahrgäste aus den Zügen geworfen wurden, sagt S-Bahn-Sprecher Ingo Priegnitz. Vom Senat gab es für den Service kein Geld. Inzwischen wurden die Zuschüsse sogar gekürzt. Jetzt seien die Wachleute nur noch dort präsent, wo es aktuell erforderlich ist, so Priegnitz. Dazu gehörten die Abstellanlagen, wo Wachleute das Beschmieren der Fahrzeuge verhindern sollen. Fahrgäste fühlten sich aber trotzdem sicher bei der S-Bahn, glaubt Priegnitz. Tagsüber seien es 99 Prozent und nachts immerhin noch 71 Prozent – bundesweit ein hoher Wert.

Noch besser ist er in Hamburg. Dort fühlen sich bei der Hochbahn nach Angaben von Sprecher Andreas Ernst nachts nur 13 Prozent nicht sicher. 2001 waren es noch 34 Prozent. Inzwischen hat die Hochbahn nicht nur den Wachschutz in den Zügen verbessert, sie lässt ihre Anlagen auch mit Kameras überwachen. Mehr als 90 Prozent der Fahrgäste seien für die Kamerakontrolle, so Ernst. Die Zahl der Übergriffe sei ebenso zurückgegangen wie Vandalismusschäden. Die aufgenommenen Bilder dürfen 24 Stunden gespeichert bleiben, um sie bei einem Vorfall von der Polizei auswerten lassen zu können – mit dem Einverständnis der Datenschützer.

In Berlin haben sich die Hüter der persönlichen Daten dagegen lange gegen ein solches Verfahren gewehrt. Erst jetzt stimmten sie einem Versuch auf drei Linien zu; begonnen hat er noch nicht.

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